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Supertramp

ANKÜNDIGUNG
NIGHT OF THE PROMS 2017
8. Dezember 2017, 20 Uhr; 9. Dezember 2017, 20 Uhr und 10. Dezember 2017, 15 Uhr in der Münchner Olympiahalle
Mit Roger Hodgson (Foto), dem ehemaligen Sänger von Supertramp, Melanie C, Culcha Candela, John Miles und Emily Bear.



 

Klassik trifft auf Pop, Chucks auf Stilettos und Hiphop auf Tschaikowski
Mit seiner unverwechselbaren Falsettstimme, mit der er Songs wie „Breakfast in America“, „It´s raining again“, „Dreamer“ oder „Logical Song“ zu Welthits gemacht hat, sorgt der ehemalige Sänger von Supertramp Roger Hodgson für Gänsehautmomente bei der Night of the Proms 2017. Obwohl Roger Hodgson eigentlich nicht mehr benötigt als eine Gitarre oder ein Piano, um eine
ausverkaufte Halle zu begeistern, wird er in Begleitung des Sinfonieorchesters die bekanntesten Songs von Supertramp in orchestralem Gewand präsentieren. Mit über 60 Millionen verkauften Alben, unzähligen internationalen Hits und Auszeichnungen zählt Roger Hodgson zu den
Legenden der Popgeschichte.
Legendär waren auch die ersten musikalischen Schritte von Melanie C, die das diesjährige Klassik-trifft-Pop-Spektakel bereichern wird. Die 42-jährige Britin, die als Mitglied der Supergroup Spice Girls in den Neunzigern alle Rekorde brach und mehr als 100 Millionen Alben verkaufte, präsentiert bei der Night of the Proms die größten Hits ihrer Solokarriere in sinfonischer
Begleitung. Mit ihrem soeben erschienen sechsten Soloalbum blickt Melanie C auf eine bereits zweite Karriere zurück, in deren Rahmen sie uns Hits wie „Never be the same again“, „I turn to you“ oder das 1998 veröffentlichte Duett mit Bryan Adams „When you´re gone“ bescherte, das sich
20 Wochen in den deutschen Charts hielt.
Die jüngste Proms-Künstlerin aller Zeiten präsentiert ihr unglaubliches Können als diesjährige klassische Solistin am Flügel. Emily Bear wird im Sommer 16 Jahre alt, konzertierte auf allen Kontinenten, ließ sich ihr Album „Diversity“ von Quincy Jones produzieren und komponiert seit ihrem sechsten Lebensjahr Orchesterstücke, die weltweit von den führenden Ensembles geführt werden.
Selbstverständlich wird auch dieses Jahr John Miles als einer der Grundpfeiler des erfolgreichsten Tourneefestivals Europas wieder mit an Bord sein. Und mit Culcha Candela präsentiert die Night of the Proms zum ersten Mal ein multikulturelles und genreübergreifendes Musiker-Kollektiv auf der Tourneebühne. Nach dem Wechsel des Taktstocks von Robert Groslot zu Alexandra Arrieche im letzten Jahr, hat sich das bewährte Orchester in Antwerp Philharmonic Orchestra umbenannt, die ehemalige Electric Band firmiert jetzt unter NOTP-Backbone.

 


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Born of War
GEWINNSPIEL
BUCH „Born of War – vom Krieg geboren. Europas verleugnete Kinder“, herausgegeben von Gisela Heidenreich (Ch. Links Verlag) zu gewinnen. Wenn Sie sich an dem Gewinnspiel beteiligen möchten, schicken Sie bitte bis zum 6. Januar 2018 eine Mail an gewinnspiel(at)m-lifestyle.de.

„Deutschenbälger“ wurden sie genannt – oder „Nazibastarde“. Sie wuchsen in Deutschland auf als „Kinder des Feindes“. Weil sie sich mit dem Feind eingelassen hatten, wurden die Mütter oft härter bestraft als Kollaborateure. Doch die Beziehung basierte nicht nur auf Liebe, oft auch auf Ideologie oder Gewalt. Wenn der Vater zu den Feinden zählte, stellten sich die Kinder die Fragen: War er ein Mörder? Oder: Habe ich seine schlechten Gene geerbt?
Die „Kinder der Schande“ waren oft umgeben von einer Mauer des Schweigens, mussten Feindseligkeiten, Lügen und Ablehnung ertragen. Über ihre Herkunft wurden viele im Unklaren gelassen. So hörte beispielsweise das in Finnland lebende Adoptivkind Johannes im Alter von 14 Jahren erstmals den eigentlichen Vornamen.
Arne in Kopenhagen versuchte seine Mutter immer wieder dazu zu bewegen mehr von seinem „richtigen Vater“, „dem schönen jungen Mann“ namens Karl zu erzählen. Seine Freunde betrachtete er als „Einwanderer aus einem anderen Land, in dem es Väter gab“.
Das Mädchen Henny glaubte, „das einzige Kind in Dänemark zu sein, das einen deutschen Marinesoldaten der Besatzungszeit als Vater hatte.“ Und als Imke von ihrer Adoptivmutter erfuhr, dass die leibliche Mutter von ihrem Verlobten, einem Offizier schwanger geworden war, antwortete sie: „Jetzt muss ich immer doppelt lieb zu euch sein.“
Als „Kind der Liebe“ betrachtet sich Gerrit. Über seine Mutter sagt er, sie habe „die Größe gehabt, sich dem Feind hinzugeben“ Er ist gebürtiger Grieche, aber in Hamburg geboren, fühlt sich also als Europäer – als „Person zwischen Deutschland und Griechenland“.
Zu Wort kommen in dem bewegenden, den historischen Kontext kenntnisreich darstellenden Buch Protagonisten aus Deutschland, Finnland, Dänemark, Norwegen, Holland, Belgien, Frankreich, Griechenland, Italien und Osteuropa. Es ist Gisela Heidenreich zu verdanken, dass diese Menschen mutig von ihrem Schicksal berichten können – einige zum ersten Mal.




Taxi
GEWINNSPIEL
BUCH  „Taxi am Shabbat. Eine Reise zu den letzten Juden Osteuropas“ von Eva Gruberová und Helmut Zeller (Verlag C.H. Beck) zu gewinnen. Wenn Sie sich an dem Gewinnspiel beteiligen möchten, schicken Sie bitte bis zum 16. Dezember 2017 eine Mail an gewinnspiel(at)m-lifestyle.de.

Die Autoren reisten nach Ungarn, Tschechien, Polen, Litauen, Weißrussland, in die Slowakei und die Ukraine, trafen Holocaust-Überlebende, Rabbiner, Vertreter der jüdischen Gemeinden, jüdische Intellektuelle und Studenten, Arbeiter und Rentner. An den Orten, die vor dem Zweiten Weltkrieg Zentren des osteuropäischen Judentums waren, fragten Eva Gruberová und Helmut Zeller wie sich das jüdische Leben nach Kriegsende im Osten Europas entwickelt hat.
Den Journalisten gelingt es auf vortreffliche Weise, die Geschichte der Juden Osteuropas anhand von persönlichen Schicksalen sowie sehr gut beschriebenen Beobachtungen vor Ort begreifbar zu machen. Das nichtjüdische Ehepaar schaffte es, das Vertrauen der Gesprächspartner zu gewinnen. Wie das gelang, erzählten die Autoren bei der Buchpräsentation im Jüdischen Gemeindezentrum in München. „Wir kamen schon oft mit Überlebenden durch unsere journalistische Arbeit in Kontakt. Deshalb konnten wir bei den Interviewpartnern Empfehlungen vorweisen“, so Helmut Zeller: „Und es gab eine große Aufgeschlossenheit, weil die Leute sahen, da kommt jemand, der Interesse hat.“  Eva Gruberová ergänzte: „Vertrauen gewinnt man, wenn man von sich selbst berichtet“. Bei der Lesung blickte die gebürtige Slowakin auf ihre Schulzeit zurück: „Im Unterricht war der Holocaust ein großes Tabuthema. Die Vergangenheit wurde nie richtig aufgearbeitet. Doch die Wunde darf nie geschlossen werden.“ 26 Jahre nach der wiedergewonnenen Freiheit zieht eine rechtsextreme antisemitische Partei ins slowakische Parlament ein. Damals zählte der „Judenkodex“ in ihrem Heimatland neben den Nürnberger Rassegesetzen zu den schärfsten antijüdischen Gesetzen in Europa. Deportationszüge fuhren von der Slowakei in die deutschen Vernichtungslager.
Auch nach Rückkehr der Juden aus den Lagern fand ihr Leid kein Ende: Von den kommunistischen Regimen wurden sie verfolgt, zur Assimilation gezwungen, in Polen kamen bei Pogromen nach 1945 etwa 1500 Juden ums Leben. Viele änderten daraufhin ihre Namen, wendeten sich vom Glauben ab, heirateten Nichtjuden und verschwiegen ihre jüdische Herkunft.
Was heute besorgniserregend ist: In den postkommunistischen Staaten erstarken nationalistische, fremdenfeindliche und antisemitische Bewegungen. Umfragen zufolge haben 36 Prozent der katholischen Polen eine negative Meinung von Juden. Doch auf der anderen Seite fühlen sich viele vom jüdischen Erbe angezogen, suchen oder entdecken jüdische Wurzeln. Diese Menschen bringt das Jewish Community Center in Krakau zusammen. Die Tradition ist wichtig im JCC – am Shabbat gibt es koscheres Essen. Für Orthodoxe ist Autofahren am Shabbat unvorstellbar, doch weite Wege zurücklegen können die alten Leute nicht, also fahren sie mit dem Taxi am Shabbat.

 

 

Alles auf Jetzt
GEWINNSPIEL
BUCH „Alles auf Jetzt. Frauen Mitte 30 über Kinder, Sex und Selbstverwirklichung“ von Christine Färber und Simone Unger (Ch. Links Verlag) zu gewinnen. Wenn Sie sich an dem Gewinnspiel beteiligen möchten, schicken Sie bitte bis zum 16. Dezember 2017 eine Mail an gewinnspiel(at)m-lifestyle.de.


Will ich überhaupt ein Kind? Habe ich Lust auf ein Familienleben? Es muss ja nicht unbedingt im Reihenhaus mit Vorgarten und Hund sein. Ist die Partnerschaft die Erfüllung schlechthin? Bringt's der Job noch? Und was ist aus den Jugendträumen geworden? Fragen über Fragen, die Frauen im Alter von 35 Jahren plagen. Viele sind noch auf der Suche, den eigenen Platz im Leben zu finden. Christine Färber und Simone Unger ist es auf wunderbare Weise gelungen, sehr persönliche und tabufreie Gespräche mit 35-jährigen Frauen zu führen.
Edda führt eine offene Ehe mit ihrem Mann. Wenn sie ihren Nachbarn in ihrem baden-württembergischen Dorf davon erzählen würde, würde sie für verrückt erklärt werden, mutmaßt sie. Sie ist noch nicht sicher, ob sie mal mit einem anderen Mann Sex haben wird. Aber im Interview bekennt sie, wie sie es genießt, wenn ihr Mann mit einer anderen Frau schläft und ihr danach davon erzählt.
Wenn es darum geht, zu erklären, warum sie keine Kinder bekommen hat, ertappt sich Juliane dabei, sich in einen „Rechtfertigungsmodus“ zu begeben. „Es wird einem immer vorgeworfen, dass man egoistisch ist, wenn man keine Kinder bekommt“, so Juliane, die in ihren Beziehungen Verantwortung übernimmt und sich zudem ehrenamtlich engagiert. Sie findet das „umgekehrt eher egoistisch, wenn man sich so einigelt als kleine Familie und sich dann nur noch Gedanken macht, welchen Kindersitz oder Fahrradanhänger man braucht.“
15 Frauen aus ganz Deutschland, aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten und mit unterschiedlicher Herkunft fassten Vertrauen zu den Autorinnen und sprachen über ihre Emotionen, Erwartungen, Enttäuschungen, Entscheidungen etc. Die Frauen sind sich einig: Sie müssen sich mit ihren eigenen Möglichkeiten und Fähigkeiten auseinandersetzen, nur so können sie einen neuen Weg einschlagen oder Dinge verändern. Mit ihren Ausführungen ermutigen sie die Leserinnen, sich selbst mit den eigenen Wünschen und einer möglichen Realisierung zu befassen.

 

Leipziger Revolution
GEWINNSPIEL
BUCH „Die unheimliche Leichtigkeit der Revolution. Wie eine Gruppe junger Leipziger die Rebellion in der DDR wagte“ von Peter Wensierski (DVA) zu gewinnen. Wenn Sie sich an dem Gewinnspiel beteiligen möchten, schicken Sie bitte bis zum 16. Dezember 2017 eine Mail an gewinnspiel(at)m-lifestyle.de.

Wie bereits sein 2014 bei der Deutschen Verlags-Anstalt publiziertes Buch „Die verbotene Reise“ über eine Flucht aus der DDR ist auch diese Geschichte über couragierte, für Gedankenfreiheit und gegen Gewalt kämpfende junge Leipziger kenntnisreich und hochspannend erzählt. Besonders beeindruckend ist es, dass Peter Wensierski nicht die prominenten Akteure und Politiker von damals präsentiert, sondern die weniger bekannten oder unbekannten Mitglieder der Leipziger Gruppen würdigt, die die „Friedensrevolution von unten beförderten“.
1979 begann der im Ruhrgebiet geborene Peter Wensierski mit seiner Berichterstattung aus der DDR. Zehn Jahre später erreichte den Autor in Westberlin eine Videokassette. Darauf zu sehen: Jugendliche in Leipzig, die offen über das Ableben der DDR philosophierten und von ihren Protestaktionen berichteten. Daraus strickte Wensierski mit Mitarbeitern einen kurzen Film, der in der ARD lief. Treffen konnte er die Leipziger damals nicht – das gelang ihm aber jetzt, im Zuge seiner Recherchen für dieses Buch.
Darin erzählt er von der Initiative Frieden und Menschenrechte, dem Arbeitskreis Gerechtigkeit, der Arbeitsgruppe Menschenrechte und der Initiativgruppe Leben. Die Protagonisten werden im Buch nur mit Vornamen vorgestellt, erst im Anhang erfährt der Leser die Nachnamen.
Es geht unter anderem beispielsweise um Jochen Lässig, heute Rechtsanwalt in Leipzig, damals Theologiestudent, der die „Verantwortungslosigkeit der Verantwortlichen“ in einer Predigt in der Nikolaikirche kritisierte und auch als wortgewaltiger Redner auf den Montagsdemonstrationen auftrat.
Als Beginn der Leipziger Montagsdemonstration gilt heute die Aktion von Katrin Hattenhauer und Gesine Oltmanns. Sie demonstrierten am 4. September 1989 mit dem Transparent „Für ein offnes Land mit freien Menschen“. Sie schrieben „offnes“ statt „offenes“, weil man das in Leipzig so sagt. Die DDR-Bürger konnten in den Westnachrichten sehen, wie sich Stasi-Getreue auf Katrin und Gesine stürzten und ihnen das Transparent entrissen. Die Botschaft der beiden Frauen drückte das aus, was viele dachten. Und die Losung „Für ein offenes Land mit freien Menschen“ stand 2015 auch auf der von Gesine Oltmanns angemeldeten Gegendemonstration zur Legida auf dem Leipziger Ring.

 

 

 

Juden nach Deutschland
GEWINNSPIEL
BUCH „Als die Juden nach Deutschland flohen. Ein vergessenes Kapitel der Nachkriegsgeschichte“ von Hans-Peter Föhrding und Heinz Verfürth (Verlag Kiepenheuer und Witsch) zu gewinnen. Wenn Sie sich an dem Gewinnspiel beteiligen möchten, schicken Sie bitte bis zum 16. Dezember 2017 eine Mail an gewinnspiel(at)m-lifestyle.de.

Von den Nazis verfolgt und gequält wurden Aron und Lea Waks. Doch nach Kriegsende fand ihr Leiden keineswegs ein Ende. Vor dem Antisemitismus in ihrer Heimat Polen flohen sie 1946 ausgerechnet nach Deutschland.
Mehr als eine Viertelmillion osteuropäische Juden, die meisten aus Polen, kamen in der Nachkriegszeit in Westdeutschland an. Lea und Aron Waks landeten in Ziegenhain, einem unter amerikanischer Besatzungsmacht stehenden Lager für Displaced Persons in Hessen. Dort feierte das Paar eine große Hochzeit. Die Amis besorgten Geflügel in den Dörfern und schenkten Lea einen Topf, mit dem sie bis zum Lebensende kochte.
Das hessische DP-Camp sollte nur ein Zwischenstopp sein auf der geplanten Reise nach Palästina. Doch von Ziegenhain kam die Familie ins DP-Camp nach Föhrenwald bei Wolfratshausen; es ähnelte „einem polnischen Schtetl, in dem die herkömmlichen jüdischen Traditionen gepflegt wurden“, so Ruwen „Robbi“ Waks im Vorwort des Buches. Bei der Präsentation im Jüdischen Gemeindezentrum in München erzählte der Sohn von Aron und Lea Waks von seiner „schönen Kinderzeit“ in Föhrenwald: „Uns ging es gut, aber das war nicht bei allen so. Einige hatten beispielsweise zu wenig Kleidung.“
Nach acht Jahren in Föhrenwald zog die Familie 1957 nach Düsseldorf. Seit 1968 lebt der Historiker Robbi Waks in Israel. Gemeinsam mit den Autoren Hans-Peter Föhrding und Heinz Verfürth präsentierte er das Buch. Es beeindruckt den Leser nachhaltig und ist unter anderem deshalb so lesenswert, weil es historische Darstellungen mit dem Schicksal der Familie Waks verwebt.
Die Deutschen gingen auf Distanz damals in Föhrenwald und Lea habe sich „abgeschirmt von den Deutschen“, wie Robbi Waks bei der Veranstaltung berichtete. Erst im Alter, besonders während ihrer Zeit in Berlin, brachte die Mutter ihr Verhältnis zu den Deutschen in Balance. Zugleich kämpfte sie gegen Antisemitismus und Israel-Feindschaft, 2015 starb sie. Im Buch schreibt Robbi Waks: „Ich finde, dass gerade Juden und Deutsche durch die gemeinsame tragische Geschichte aneinandergekettet sind … Damit möchte ich bei den Deutschen keine Schuldgefühle auslösen … Aber die Verbindung zwischen uns bleibt außergewöhnlich. Und damit müssen, ja sollen wir leben.“

 

 

Alles schlechter
GEWINNSPIEL
BUCH  „Früher war alles schlechter. Warum es uns trotz Kriegen, Krankheiten und Katastrophen immer besser geht“ von Guido Mingels (DVA) zu gewinnen. Wenn Sie sich an dem Gewinnspiel beteiligen möchten, schicken Sie bitte bis zum 16. Dezember 2017 eine Mail an gewinnspiel(at)m-lifestyle.de.

Eine überhaupt nicht bitter schmeckende Medizin gegen chronischen Pessimismus ist dieses Buch: Als Kind/Jugendliche(r) rollte man genervt mit den Augen, wenn Erwachsene immer wieder die gleiche Platte auflegten und den berühmten Refrain anstimmten: „Früher war alles besser“. Tja und heute? Man ertappt sich ab und zu dabei selbst so zu denken. Wer sich von solchen negativen Gedanken befreien will, blicke in dieses sofort für gute Stimmung sorgende Buch.
Heute wächst beispielsweise die Lebenserwartung in fast allen Teilen der Welt und liegt im globalen Mittel bei 70 Jahren, in Deutschland bei 81 Jahren. Es bleibt also genügend Zeit, das Leben an jedem einzelnen Tag auszukosten. Unsere Vorfahren mussten viel schlimmer knechten als wir. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde aus einer 60- eine 40-Stunden-Woche und aus zwei Wochen Jahresurlaub wurden in Deutschland sechs. Und wir werden auch immer klüger. 2013 lag der durchschnittliche weltweite IQ um 30 Punkte höher als 1909. Und wer dieses Buch liest, erfährt so viel Wissenswertes, dass er noch schlauer wird.




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Rossellini BERICHT
BUCHVORSTELLUNG







„Ich liebe das Landleben“



Ob sie eine passionierte Köchin ist, wie Hennen unterwürfige Hähne behandeln und warum einer ihrer gefiederten Lieblinge Andy Warhol heißt, das verriet die Schauspielerin Isabella Rossellini in ihrem Buch „Meine Hühner und ich“ sowie bei der Präsentation des Bandes im Münchner Showroom des Schirmer/Mosel Verlages. 

„Du dummes Huhn!“ –  diese Beschimpfung erzeugt völlig falsche Vorstellungen: Isabella Rossellini erklärt: „Hühner sind schlau. Sie erkennen beispielsweise bis zu 100 Artgenossen in ihrem Stall und nehmen mehr Farben wahr als wir Menschen.“ Die Schauspielerin weiß, wovon sie spricht, schließlich verfügt sie über einen Universitätsabschluss in Verhaltensforschung. Zudem züchtet sie auf ihrer Farm auf Long Island neben Schafen, Truthähnen, Bienenvölkern und Biogemüse auch 80 Hühner, genauer gesagt die alte Rasse „Heritage Chicken Breeds“. Mit Hahn und Henne kam die Tochter von Ingrid Bergman und Roberto Rossellini schon in der Kindheit in Berührung – in Italien, auf dem Lande. „Ich liebe das Landleben“, schwärmt die Buchautorin.
Nun legt die 64-Jährige das zum Gackern komische Handbuch  „Meine Hühner und ich“ (Schirmer/Mosel Verlag) vor: mit ihren höchst gelungenen Hühner-Zeichnungen und tollen Photographien von Patrice Casanova. Ihre Models hielten dafür brav still, flatterten nur ab und zu davon. „Mit meinem Buch möchte ich die Leute zum Lachen bringen“, sagt die Tierliebhaberin. Hühner stammen von Dinosauriern ab, erfahren die Leser beispielsweise – oder: Hennen paaren sich vorzugsweise mit dominanten Hähnen und können das Sperma unterwürfiger Hähne aus ihrem Körper ausstoßen.
Unter ihrer Obhut gedeihen die frisch geschlüpften Küken prächtig. Die bunt-gefiederten Jungtiere gleichen in Aussehen und Charakter keineswegs gemästeten Suppenhühnern. Auch die Eier unterscheiden sich voneinander. Isabella Rossellini blättert in ihrem Buch, zeigt den Journalisten die Seite, auf der die länglichen und runden Eier in Bräunlich, Hellblau und Rosé von ihren Hühnern sowie die „plastikähnlichen“ Supermarkt-Eier zu sehen sind.
„Kochen Sie gerne?“ will eine Journalistin wissen. Die Antwort: „Ich muss eigentlich gar nicht viel kochen. Ich habe mein Gemüse und meine Eier, das reicht mir. Denn ich bin zwar keine Vegetarierin, aber ich könnte niemals ein Tier essen, das ich gekannt habe.“
Die Hühner erkennen ihre Gönnerin, das merkt sie, wenn sie sie beispielsweise füttert; mit welcher Hingabe sie sich dieser Aufgabe widmet, zeigt ein Foto im Buch. Nicht allen Hühnern hat die Künstlerin Namen gegeben, aber ein Darling heißt beispielsweise Andy Warhol – wegen der Frisur. Und einen weiteren Schatz nennt sie Amelia Earhart, weil das Tier ebenso schwindelerregende Abenteuer wagt wie die Flugpionierin. Aleksandra Majzlic



 

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Blauer Reiter BERICHT
KUNST





Kunst als Weltsprache 


Der „Blaue Reiter“  sprintete durch Berlin, Frankfurt, Madrid, Venedig und wagte den Sprung nach New York. Nun ist die weltweit größte Sammlung an Bildern aus dem Künstlerkreis wieder im Münchner Lenbachhaus.

Die Bilder mussten reisen – denn Marcs Ziel war es schließlich, dass man den Ideen der Künstlergruppe „Der Blaue Reiter“ auf der Landstraße begegnen sollte. Nun sind die Werke wieder an ihrem angestammten Platz. Das Lenbachhaus richtete die Abteilung des „Blauen Reiter“ wieder ein – nach den Ausleihen für die Kooperationsausstellungen „August Macke und Franz Marc. Eine Künstlerfreundschaft“ (2015) und „Klee und Kandinsky. Nachbarn, Freunde, Konkurrenten“ (2015/2016) sowie für Ausstellungen im Museo Thyssen-Bornemisza Madrid, im Museum of Modern Art in New York, im Frankfurter Städel, in der Alten Nationalgalerie Berlin, im Palazzo Ducale, Venedig etc.
Leihgaben gingen auch nach Asien und nach Russland. Und deshalb zieht das Lenbachhaus auch viele Asiaten und Russen an. „Der Blaue Reiter ist ein kultureller Botschafter der Stadt München“, sagte Münchens Kulturreferent Hans-Georg Küppers beim Presserundgang: „Paris hat seinen Eiffelturm, wir haben unseren Blauen Reiter“,
Das Lenbachhaus besitzt die weltweit größte Sammlung zur Kunst des „Blauen Reiter“, eine der bedeutendsten Künstlergruppen der Avantgarde zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Diesen Umstand verdankt das Museum in erster Linie der großzügigen Stiftung von Gabriele Münter. Anlässlich ihres 80. Geburtstags 1957 machte die Malerin dem Lenbachhaus über 1000 Werke des „Blauen Reiter“ zum Geschenk. Mit dieser großartigen Schenkung wurde die Städtische Galerie im Lenbachhaus zu einem Museum von Weltrang.
Das einzigartige Ensemble der Gabriele Münter Stiftung wurde 1965 durch eine weitere wichtige Schenkung ergänzt: Angeregt durch ihr Vorbild stifteten die Erben von Bernhard Koehler Hauptwerke von Franz Marc und August Macke.
Der Kreis des „Blauen Reiter“ in München und Murnau gehört neben der Künstlergemeinschaft der „Brücke“ in Dresden und Berlin zur wichtigsten Erneuerungsbewegung der deutschen Kunst des 20. Jahrhunderts. Im Gegensatz zum figürlichen Expressionismus der „Brücke“-Künstler entwickelte der Kreis des „Blauen Reiter“ ab 1908 eine spezifische Art von strahlend farbiger, expressiver und zum Teil abstrahierender Formensprache.
„Mit seiner Abstraktion hat der Blaue Reiter die Idee der Weltsprache der Kunst entwickelt“, so Lenbachhaus-Direktor Matthias Mühling. Spezifikum des „Blauen Reiter“ war der Pluralismus der künstlerischen Äußerungen. In ihrem 1912 herausgegebenen Almanach „Der Blaue Reiter“ stellten Kandinsky und Marc Volkskunst, Kinderkunst, ägyptische Schattenbilder, afrikanische Schnitzereien oder bayerische Hinterglasbilder gleichberechtigt neben die Kunstwerke alter europäischer Meister oder der aktuellen Avantgarde. In diesem Sinne hatten Kandinsky und Marc in ihrem nicht veröffentlichten Vorwort für den Almanach geschrieben: „Das ganze Werk, Kunst genannt, kennt keine Grenzen und Völker, sondern die Menschheit.“ Ein eigener Raum ist dem Almanach und seinen Bildwerken im Lenbachhaus gewidmet. Auf einem Touchscreen kann der Besucher durch das berühmte Buch blättern.
Der m
it „Blauer Reiter“ betitelte Almanach gab der ganzen Bewegung den Namen. Die historische Redaktionssitzung fand am 24. und 25. Oktober 1911 im Haus von Wassily Kandinsky und Gabriele Münter in Murnau statt. Mit dabei: Franz und Maria Marc sowie August und Elisabeth Macke. Im Salon von Marianne von Werefkin und Alexej von Jawlensky (Foto: Bildnis des Tänzers Alexander Sacharoff, 1909) in der Giselastraße in München debattierten die Maler regelmäßig.
Kreative Jahre verbrachte Wassily Kandinsky von 1909 bis 1914 mit seiner Lebensgefährtin Gabriele Münter in einem Landhaus in Murnau, das heute als Münter-Haus bekannt ist. Sie hatten das Städtchen bei einem Malerausflug entdeckt
. Franz Marc bezeichnete die ganze Region wegen ihrer über die Jahreszeiten hinweg wechselnden bläulichen Farb- und Lichtstimmungen als das Blaue Land und bekannte: „Blau ist die einzige Farbe, bei der ich mich wohlfühle.“ A.M.


„Das ganze Werk, Kunst genannt, kennt keine Grenzen und Völker, sondern die Menschheit“. „Der Blaue Reiter“ kehrt zurück. Seit Februar 2016 im Münchner Lenbachhaus, Dienstag 10 bis 20 Uhr, Mittwoch bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr und an allen Feiertagen geöffnet

 

 

 
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Jodeln

BERICHT
JODELKURS

 

Jauchzen vor Freude



Beim Jodel-Workshop der Bayerischen Philharmonie in München jodeln Soprane, Altsängerinnen, Tenöre und Bässe wie Verliebte. Die Bässe mögen es gerne „zärtlich“, lassen aber auch mal den Fußboden vibrieren. Alle Absolventen ergattern ein Jodeldiplom – als Hommage an Loriots Jodelschule und sein „Döduldö, zweites Futur bei Sonnenaufgang“.

 

Ein Jodelkurs ist eine harte Prüfung für unzertrennliche Paare. Nebeneinandersitzen und gemeinsam ins Notenheft schauen – das geht nun wirklich nicht. „Alt und Sopran, Bass und Tenor“, sagt eine Teilnehmerin des Jodelkurses und deutet auf die entsprechenden Plätze. Die beiden Neulinge blicken sie verdutzt an. Da schaltet sich die Kursleiterin ein. „Wenn Du nicht so oft singst, dann geh am besten zu den Bässen“, meint Brigitte Schaal zu dem Herrn. Die Dame hat eine Altstimme, wie sie feststellt.  
Jodeln war früher ein Verständigungsruf unter Almbesitzern. „So erkundigte man sich über eine große Entfernung hinweg beim Nachbarn ob alles in Ordnung ist“, erläutert Brigitte Schaal, die hauptberuflich im Volkslied-Archiv in Linz arbeitet. Gemeinsam mit Stefanie Unterberger gibt sie pro Jahr zwei Jodel-Workshops für Einsteiger mit Jodeldiplom – bei der Bayerischen Philharmonie im Münchner Stadtteil Pasing. An diesem Herbsttag erscheinen 21 Frauen und 14 Männer, die meisten von ihnen haben Gesangserfahrung.
Hemmungen beim Schmettern von „Draehodiri“, „Raillei ho“ & Co. muss kein Spätberufener haben, dafür sorgt Brigitte: „Singt einfach wie unter der Dusche.“ Stefanie springt auf und ab und bringt so die Gruppe in Schwung. Dann setzt sie zum Spaß ein ernstes Gesicht auf und meint: „Nicht so streng gucken.“ Von ihrem Unterricht als Musiklehrerin im Konservatorium in Bozen weiß sie, wie sie perfekt motivieren kann.
Eine Teilnehmerin schwärmt in der Pause von der Jodelschule von Loriot. Legendär ist die gelehrige Schülerin (Evelyn Hamann), die brav das „Holleridudödeldi“ wiederholt, damit ihr das Jodeldiplom sicher ist. „Wer bei uns ein Diplom will, muss neben dem Jodeln auch den Hüftschwung können“, verkündet Stefanie augenzwinkernd.
Weiter geht’s mit der oberbayerischen Volksweise „Wann d’Sunna aufgeht“ und der  Zeile „Nix Scheners als d’Liab kann ma net dafindn“.  „Wer verliebt ist, für den ist das leicht zu singen.  Wer gerade nicht verliebt ist, muss sich eben an das Gefühl erinnern“, verkündet Brigitte und lobt die „zärtlichen Bässe“. „Duftig“ machen die Bässe den „Schuldirndl-Jodler“. Etwas mehr Enthusiasmus verlangt Brigitte jetzt von ihren Schülern: „Denkt einfach an die Mädchen, aber nicht wenn sie morgens zur Schule gehen, sondern wenn sie mittags voller Freude die Schule verlassen.“ Sofort jauchzen alle vor Freude. Die Österreicherin freut sich,  wenn die Bässe den Fußboden „vibrieren“ lassen und selbst wenn das Gesangsergebnis mal nicht ganz überzeugend ist sagt sie: „Das klingt nicht falsch, sondern interessant“ oder „Das ist schon an der Grenze, dass es schön wird.“ Aleksandra Majzlic
 


 
Gaertnerplatztheater  

BERICHT
THEATER


Hurra, hurra! Wir sind wieder da!

 


Nach fünfjähriger Sanierung feierte das Gärtnerplatztheater seine Wiederöffnung mit einer glanzvollen genreübergreifenden Gala. Das Ensemble huldigte dem „Barbier von Sevilla“, der „lustigen Witwe“ sowie der in „Anatevka“ beschworenen ewigen Liebe. 


Alles Sehnen hat ein Ende. Wieder an seinem Platz ist das Gärtnerplatztheater – und seine Getreuen auch. „Hier stand ich schon früher am liebsten“, sagt eine Dame zu ihrem Begleiter. Die beiden postieren sich Sekt trinkend am Eingangsportal, blicken auf die bunt kostümierten Künstler, die sich vor dem Gebäude auf Stelzen fortbewegen.

Gaertnerplatztheater


Ehrfurchtsvoll betreten die Zuschauer den Saal, nehmen auf den neu bezogenen Stühlen Platz, blicken hinauf zum Kronleuchter. „Oooh“- und „Aaah“-Ausrufe vermengen sich zu einem Chor. Im Parkett schwelgen einige Damen in Erinnerungen. Eine Mittvierzigerin schwärmt beispielsweise von der opulent inszenierten „Nacht in Venedig“ irgendwann in den Achtzigerjahren.

 


1989 betrat der damals 24-jährige Josef Köpplinger die heiligen Hallen, seine einstigen Gedanken verrät er dem Publikum: „Hier möchte ich einmal inszenieren.“ Der Staatsintendant des Staatstheaters am Gärtnerplatz fügt lachend hinzu: „Jetzt haben Sie den Salat, jetzt bin ich da.“ Und anspielend aufs Politische verkünd
et er in seiner Ansprache: „Wir wollen durch die Kunst für Freiheit und gelebte Toleranz stehen.“ Dass in seinem Hause „alle Genres in gleicher Weise gepflegt werden“, beweist das Programm der beiden Eröffnungsabende.
Rascheln, ratschen, womöglich noch mitklatschen wie beim Musikantenstadl, das Smartphone zücken und telefonieren oder fotografieren – das wagen natürlich nur Kunstbanausen.
Wie man sich Knigge-like als Zuschauer zu benehmen hat, verdeutlicht das bestens aufgelegte Ensemble in seiner „Ansprache an das Publikum“ (Musical „The Frogs“).
Rührend ist die mit langem Applaus bedachte Szene, als Franz Wyzner (Tevje im Musical „Anatevka“) seine holde Golde (Gisela Ehrensperger) nach 45 Ehejahren fragt: „Ist es Liebe?“ Ein Duell im Schnellgesang liefern sich Mathias Hausmann und Levente Páll in ihrem Duett „Cheti, cheti immantinente“ (Oper „Don Pasquale). Lust auf die Eröffnungspremiere „Die lustige Witwe“ machen Daniel Prohaska und Camille Schnoor mit ihrem „Lippen schweigen“; als weitere Operetten-Darbietung begeistert das Quartett „Hurra, hurra! Man lebt nur einmal“ („Die Csárdásfürstin“).

Nach fünf endlos langen Jahren sind die Sanierung des Altbaus und die Fertigstellung des Neubaus abgeschlossen. Nun punktet das 152 Jahre alte, höchst schmucke Haus unter anderem mit einem neuen Vorhang, einer besseren Akustik im Orchestergraben sowie einem barrierefreien Zuschauerbereich. Aleksandra Majzlic

Es ist soweit! Eröffnungsgala, unter der musikalischen Leitung von Anthony Bramall, Michael Brandstätter und Andreas Kowalewitz. Mit dabei: das 32-köpfige Solistenensemble, der Chor, die Ballettkompanie, der Kinderchor und das Orchester sowie Gäste

 

 

 

 

Gaertnerplatztheater

ANKÜNDIGUNG
THEATER



Vorhang auf für das Unterhaltungstheater

 

 

An fast 2000 Abenden herrschte musikalisches Schweigen im Gärtnerplatztheater. Nach der Sanierung eröffnet das 152-jährige Traditionshaus zu Beginn der Saison 2017/2018 wieder seine Türen.

Weihnachten, Ostern und Geburtstag feiert Josef E. Köpplinger heuer im Oktober, verkündete er bei der Pressekonferenz. Denn dann ist die „fünfjährige Wanderschaft“ beendet und „eines der schönsten Opernhäuser Europas“ lüftet den nagelneuen Vorhang für Lehárs „Witwe“.„Sie ist eine der Königinnen der Operette“, schwärmte der Staatsintendant (Premiere: 19. Oktober 2017). Und: „Es ist selbstverständlich geworden, dass man das Unterhaltungstheater wieder ernst nimmt. Wenn auch nicht so selbstverständlich, wie ich mir das wünsche.“„Die lustige Witwe“ ist das Einstandsstück für den neuen Chefdirigenten Anthony Bramall. Aus der Oper Leipzig zugeschaltet, ließ der gebürtige Londoner die Journalisten wissen, dass während seiner Laufbahn „die Witwe immer da war.“ Köpplinger fügte lachend hinzu: „Ich hoffe, das hat er nur beruflich so gemeint.“
Am 22. Juni 2017 findet die Schlüsselübergabe am Gärtnerplatz statt. Die Stuhlpaten (Patenschaften ab 100 Euro bis zu 1000 Euro) dürfen am 22. Juli bei einem Pre-Opening einen Blick ins Allerheiligste werfen; bei der Premierenmatinee „Die lustige Witwe“ am 8. Oktober können die Münchner dann bei mehreren kostenlosen Führungen das Stammhaus betreten. Und bei der Eröffnungsgala am 14. und 15. Oktober präsentieren das 32-köpfige Solistenensemble, der Chor, die Ballettkompanie, der Kinderchor und das Orchester zusammen mit Überraschungsgästen unter der musikalischen Leitung von Anthony Bramall, Michael Brandstätter und Andreas Kowalewitz die schönsten Melodien.
Cornelia Froboess ist wieder da! 1984 reüssierte sie am Gärtnerplatztheater als Eliza Doolitte in dem Musical „My Fair Lady“ unter der Regie von August Everding und der Intendanz ihres Mannes Hellmuth Matiasek. In der kommenden Spielzeit wird die renommierte Schauspielerin Mrs. Higgins in Köpplingers Inszenierung verkörpern (Premiere: 13. Februar 2018). Die neue „eingebayerte“ Textfassung von Stefan Bischoff erstaunte Köpplinger: „Da gibt es bayerische Schimpfwörter, die ich noch nicht kannte.“
Das Publikum bescherte dem Haus in der vergangenen Saison eine Auslastung von 87,31 Prozent (bis Anfang Mai 2017). 2017/2018 punktet das Gärtnerplatztheater unter anderem mit der Uraufführung des „Pumuckl“-Musicals von Franz Wittenbrink nach Ellis Kaut (19. April 2018), der choreografischen Uraufführung des Balletts „La Strada“ (12. Juli 2018) nach dem gleichnamigen Fellini-Film mit der Musik von Nino Rota, der deutschsprachigen Erstaufführung des vielfach preisgekrönten Jukebox-Musicals „Priscilla – Königin der Wüste“ (14. Dezember 2017) sowie am 15. März 2018 mit der Münchner Erstaufführung der Oper „Weiße Rose“ (Studio, Junges Gärtnerplatztheater).  A.M.

 

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Schuldt

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KONZERTE



 

Freud und Leid des Wanderns 


Wandern – so lautet das Motto des Münchener Kammerorchesters für die Konzertsaison 2017/2018. Dabei geht es um den Ausflug in die Berge, aber auch um das Verlassen der Heimat. Und erstmals wartet das MKO mit einer konzertanten Kurzoper auf.


Stolz blickte Clemens Schuldt auf seine erste Saison als MKO-Chefdirigent zurück, schwärmte bei der Pressekonferenz von der „intensiven Stimmung auf der Bühne“ und dem „konzentrierten und fröhlichen Arbeiten“: „In der Stadt und im Orchester fühle ich mich heimisch.“ In der Saison 2016/2017 verzeichnete das MKO einen Zuwachs bei den Abonnentenzahlen und den verkauften Karten.  
Die kommende Saison steht unter dem Motto „Wandern“  –  dem freiwilligen oder dem erzwungenen. Mit von der Partie sind beispielsweise Franz Schuberts „Wanderlieder“ und die „Wanderer-Fantasie“. Neben dem langjährigen Konzertmeister Daniel Giglberger konnte das MKO Yuki Kasai als neue Konzertmeisterin gewinnen.
Freundschaft verbindet Clemens Schuldt mit Jörg Widmann und Stefano Gervasoni, an die zwei der insgesamt vier Kompositionsaufträge gingen. Und Augustin Hadelich kennt der Chefdirigent bereits aus Kindertagen. Gerne erinnert er sich daran, dass er einst auf Schloss Elmau Geigen-Duos vom Blatt mit Augustin spielte. Mit dem nicht nur in Amerika gefeierten Geiger sowie mit Aaron Pilsan, Piotr Aderszewski, Michael Nagy und dem E-Gitarristen Bryce Dessner geht das MKO erstmals musikalisch auf Wanderschaft –  bei den Abonnement- und Sonderkonzerten. Und erstmals wird in einem Abonnementkonzert eine konzertante Kurzoper zu erleben sein: „Into the little Hill“, eine „lyric tale“ von George Benjamin, greift die Geschichte vom „Rattenfänger von Hameln auf.
Mit der 2003 gegründeten Reihe der Komponistenporträts in der Pinakothek der Moderne sei es gelungen, neben den Abonnementkonzerten im Prinzregententheater „in die Stadt hineinzuwirken“, so Geschäftsführer Florian Ganslmeier bei der Pressekonferenz. Die 43. bis 45. Ausgabe ist den Komponisten Per Norgard, Henryk Górecki und Sir Harrison Birtwistle gewidmet.
Neu ist die Kooperation mit whiteBOX.art: Clemens Schuldt und das MKO stellen mit den Trondheim Voices, der Südtiroler Komponistin Manuela Kerer und Sound- und Lichtgestaltern ein multimedial inszeniertes Wandelkonzert auf die Beine.
Und zum ersten Mal hat das MKO einen Kompositionsauftrag für das Kinderkonzert vergeben: Der für seine Filmmusik bekannte Ali N. Askin wird eine Fassung von „Peterchens Mondfahrt“ komponieren. Erzähler wird Udo Wachtveitl sein.

Optimistisch blickt der Geschäftsführer Florian Ganslmeier in die Zukunft, was die Suche nach einer neuen MKO-Heimat betrifft. Vorgesehen ist, dass das MKO inklusive Verwaltung in den umgebauten Gasteig einzieht, unter anderem den Chorprobensaal nutzt und als dauerhaftes „Ensemble in Residence“ zusätzliche Aktivitäten entwickelt. Die Abo-Konzerte bleiben aber im Prinzregententheater. A.M.


ANKÜNDIGUNG
KONZERT
Münchener Kammerorchester
3. Abonnementkonzert
7. Dezember 2017, 20 Uhr, Prinzregententheater

Maximilian Hornung, Violoncello
John Storgårds, Dirigent
19.10 Uhr: Konzerteinführung mit Dr. Meret Forster und Tobias PM Schneid
Joseph Haydn: Sinfonie Nr. 97 C-Dur
György Ligeti: Konzert für Violoncello und Orchester
Tobias PM Schneid: Concerto for cello and orchestra No. 2. (Auftragswerk des MKO) – Uraufführung
Joseph Haydn: Sinfonie Nr. 103 Es-Dur „Mit dem Paukenwirbel“
Maximilian Hornung, einer der herausragenden Cellisten der jüngeren Generation, ist beim 3. Abokonzert des MKO gleich „doppelt“ im Einsatz: György Ligetis dichtgewobenes Cellokonzert von 1967 ist inzwischen ein „Klassiker“ der Moderne; dem gegenüber steht die Uraufführung eines Auftragswerks des MKO: Tobias PM Schneid, hat für Hornung und das Münchener Kammerorchester ein neues Cellokonzert geschrieben, das geradezu zirzensische Ansprüche an den Virtuosen stellt. Den Rahmen des Konzerts bilden zwei Londoner Sinfonien von Joseph Haydn, die berühmte Nr. 103 „Mit dem Paukenwirbel“ und die Sinfonie Nr. 97 in C-Dur. Die Leitung hat der Artistic Partner des MKO John Storgårds, der damit die Haydn-Ligeti-Reihe in den Abokonzerten des MKO fortsetzt.


 

 

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Residenztheater ANKÜNDIGUNG
THEATER



Zeiten des Umbruchs


Mit großen Namen wie „Don Karlos“ und „Philipp Lahm“ bestückt das Residenztheater in der Spielzeit 2017/2018 sein Programm. Neue Dramatik für rapide sich ändernde Zeiten – darauf setzen Intendant Martin Kušej und seine Mannschaft.

„Philipp Lahm“ im  Resi-Spielzeitheft zu lesen, mag überraschen. Möglich, dass die Fans ein Biopic erwarten. In Michel Decars Stück gehe es aber vielmehr um die „scheinbare Konfliktlosigkeit des Fußballspielens“ so Martin Kušej bei der Pressekonferenz. In den Regieanweisungen stehe, dass darauf zu achten sei, dass Philipp Lahm immer zufriedener werde, fügte Chefdramaturg Sebastian Huber hinzu. Der Star-Kicker wusste vor Veröffentlichung des Programms nicht, dass sein Name demnächst auf den Theaterkarten prangen wird. Gunther Eckes wird Lahm spielen (Uraufführung: 16. Dezember 2017, Marstall).
Um die Frage nach dem Umgang mit einer Zeit voller Umbrüche geht es in Maxim Gorkis „Kinder der Sonne“ (Premiere: 23. September 2017, Residenztheater). Die Protagonisten – Wissenschaftler, Künstler und Intellektuelle –  schotten sich selbst ab, obwohl gerade von ihnen ein erhöhtes gesellschaftliches Engagement in Krisenzeiten zu erwarten wäre. Ebenso gilt das für die im Berlin des aufkommenden Nationalsozialismus an den gesellschaftlichen Rand gedrängten Artisten in Ingmar Bergmans „Schlangenei“ (Premiere: 30. September 2017, Cuvilliéstheater). Mit diesen beiden Stücken eröffnet das Resi seine neue Saison.
Martin Kušej übernimmt die Regie von „Don Karlos“ (Premiere: 17. Mai 2018, Residenztheater).
Zum Berliner Theatertreffen 2017 ist das Resi mit „Die Räuber“ eingeladen. Ulrich Rasches
Inszenierung gehört damit zu den „zehn bemerkenswertesten Inszenierungen“ des vergangenen Jahres, eine der höchsten Auszeichnungen in der deutschsprachigen Theaterlandschaft. Stolz ist Martin Kušej auf das „Profil“ seines Hauses. „Große Stoffe“ könne man „technisch anspruchsvoll umsetzen“, so der Resi-Chef bei der Pressekonferenz: „Nur an wenigen Theatern kann man das überhaupt so machen.“
Das Publikum hielt dem Resi auch in der vergangenen Spielzeit die Treue, was die unverändert hohe Gesamtauslastung von 83,6 Prozent für alle drei Spielstätten beweist (September 2016 bis Ende März 2017). Die Abozahlen sind leicht angestiegen und das Haus lockt auch viele junge Leute an. Der Dialog mit dem Publikum ist dem Resi-Team wichtig. Im neuen Spielzeitheft porträtierte der Berliner Fotograf Peter Kaaden daher Zuschauer und die Ensemble-Mitglieder. Fest ins Resi-Ensemble kommen Nils Strunk, Katja Bürkle, Anna Drexler, Cynthia Micas, Lilith Häßle und Tim Wehrts. A.M.

ANKÜNDIGUNG
THEATER
Residenztheater
Am 16. Dezember bringt Robert Gerloff „Philipp Lahm“ von Michel Decar als Solo mit Gunther Eckes zur Uraufführung im Marstall. Decar hat kein Prominenten-Biopic geschrieben, sondern einen lakonischen Blick auf seine Generation, unser Land und den Zeitgeist geworfen, die Hysterie von Medien- und Kulturbetrieb persifliert und nebenher die dramatische Tradition schulterzuckend ins Abseits gestellt. Denn mitten in die Phantasmagorie des Durchschnittslebens eines Ausnahmefußballers platzt plötzlich die Abrechnung mit dem gesamten dramatischen Kanon, der sich bisher hauptsächlich mit Konflikten, Krisen und Kämpfen beschäftigte. Wird Shakespeare das überleben?

 

 

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Kammerspiele ANKÜNDIGUNG
THEATER





Offene Türen für ein
Open Border Ensemble


Brechts „Trommeln in der Nacht“ setzen die Münchner Kammerspiele in Szene – als Hommage an die Uraufführung im eigenen Hause (1922, Regie: Otto Falckenberg). Und eine „Herzensangelegenheit“ für Intendant Matthias Lilienthal ist die Inszenierung von Feuchtwangers „Wartesaal“-Trilogie in der Spielzeit 2017/2018.

„Glotzt nicht so romantisch!“ stand auf Schrifttafeln im Theatersaal geschrieben – bei der Uraufführung von Brechts „Trommeln in der Nacht“ vor fast hundert Jahren. Es war die erste Uraufführung eines Brecht-Stückes überhaupt; Regie führte der damalige Intendant der Kammerspiele Otto Falckenberg. Hitler saß im Publikum. In der kommenden Spielzeit inszeniert Christopher Rüping das Stück über die „Verführung der Menschen durch Ideologien“ und geht dabei folgender Frage nach: „Inwieweit ist man bereit, sich für eine Idee zu opfern?“ Der  Hausregisseur schwärmte bei der Pressekonferenz von dem „saftigen Text“: „Alle sind ständig besoffen und der Mond ist rot.“ (Premiere: Dezember 2017, Kammer 1)
Die damalige Uraufführung von 1922 lobte Brechts Vorbild Lion Feuchtwanger. Die „Wartesaal“-Trilogie des Münchner Autors bringt Regisseur Stefan Pucher auf die Bühne – das sei eine „Herzensangelegenheit“ für das Kammerspiele-Team, wie Intendant Matthias Lilienthal bei der Pressekonferenz betonte (Premiere: November 2017, Kammer 1). Feuchtwanger musste seine Heimat in Deutschland verlassen und schrieb einen Großteil seiner Romane im Exil. In den drei Werken „Erfolg“, Die Geschwister Oppermann“ und „Exil“ thematisiert er den gesellschaftspolitischen Vorraum des Nationalsozialismus in Deutschland.
Das Unterwegssein und die Frage nach der Zugehörigkeit ziehen sich leitmotivisch durch die Spielzeit: Als Uisenma Borchu fünf Jahre alt war, kam sie mit ihren Angehörigen aus der Mongolei in die DDR. Die Familie war willkommen, erst nach der Wende unerwünscht. In ihrer ersten Theaterarbeit „Nachts, als die Sonne für mich schien“ (Uraufführung: 1. Oktober 2017, Kammer 3) setzt sich die Filmemacherin mit ihrer ostdeutschen Vergangenheit auseinander. An ihrer Seite: ihr Vater, ein Maler. „Er spricht auf der Bühne in seiner Sprache: der Kunst“, sagte Uisenma Borchu zu den Journalisten.
Für die kommende Spielzeit gründen die Kammerspiele ein Open Border Ensemble: Vier neue SchauspielerInnen, die sich im Exil befinden, verstärken das Ensemble. Zum Ensemble stoßen zudem Zeynep Bozbay, Nils Kahnwald und Benjamin Radjaipour. A.M.

 

 

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THEATER

Münchner Kammerspiele
1922 wurde Bertolt Brechts Stück „Trommeln in der Nacht“ an den Münchner Kammerspielen von Intendant Otto Falckenberg uraufgeführt. In seiner Inszenierung des Stückes stellt sich Hausregisseur Christopher Rüping nun heute vor, wie diese Uraufführung wohl ausgesehen hat. Premiere ist am 14. Dezember in der Kammer 1. Am Ende von Brechts Stück entscheidet sich ein Kriegsheimkehrer für sein privates Glück und gegen den revolutionären Spartakus-Aufstand, dessen Anhänger die Redaktionen im Berliner Zeitungsviertel besetzen wollen. Und damit scheitern. Aber schon während Bertolt Brecht sein Stück schreibt und auch im Laufe seines folgenden Lebens hadert er immer wieder mit diesem Ende, das er als junger Mann schrieb. Könnte der Kriegsheimkehrer sich auch für die Revolution entscheiden statt für das Privatleben? Christopher Rüping stellt in seiner Inszenierung die Frage: Was wäre gewesen, wenn...? Zwei Inszenierungen mit jeweils einem anderen Schluss sind alternierend zu sehen: „Trommeln in der Nacht“ von Bertolt Brecht und „Trommeln in der Nacht“ nach Bertolt Brecht

 

 

 

 

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Status Quo

BERICHT
KONZERT




Die Wirkungskraft der drei Akkorde 





Von Aleksandra Majzlic


Bei ihrer letzten elektrisch verstärkten Live-Tour 2016 rasen die Rebellen von Status Quo auf ihrem mit Hits gepflasterten Parcours durch die Münchner Olympiahalle. Für Herzrasen sorgt die Band bei ihren Fans. Und Gründungsmitglied Francis Rossi kümmert sich um seine Kinder auf der Bühne. 


Im zweiten Teil lesen Sie, warum Francis Rossi sich eine neue Gitarre zulegte, worüber er am meisten lachen kann und zu welchen Jugenderinnerungen die Band die Fans animiert. >>>

 

 

 

 

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Bille August

INTERVIEW mit Bille August

 

 



„Das Leben ist fast ein Wunder“


Ob er Angst vor dem Sterben hat und an ein Weiterleben nach dem Tod glaubt und welchen Schmerz ihm einst sein Vater zufügte, das erzählt der angesehene Regisseur („Silent Heart – Mein Leben gehört mir“) im Gespräch.

 

Interview: Aleksandra Majzlic

 

Im zweiten Teil erfahren Sie, inwiefern Bille August ein „reicher Mann“ ist, welche Belohnung er sich nach der Arbeit am Set wünscht und welche Filme er sich privat niemals anschaut. >>>

 

 

 

 

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Katrin Sass Kanada

INTERVIEW mit Katrin Sass





„Ich habe keine Angst,
in Fettnäpfchen zu treten“


Warum sie in der DDR von adidas-Klamotten lieber die Finger ließ, wie sie nun in die „Schublade von Klaus Kinski“ geriet und worauf sie am Set keine Lust mehr hat, das verrät die mehrfach ausgezeichnete Schauspielerin („Good Bye Lenin!, „Weissensee“) im Gespräch.

 Interview: Aleksandra Majzlic 

 

Im zweiten Teil erfahren Sie, wozu Katrin Sass 1989 der Mut fehlte, was sie heute „gruselig“ findet und was nach ihrem Ausraster in der TV-Sendung von Markus Lanz passierte. >>>




BERICHT
TV: Büchsenlady versus Bangbüx
„Harrys Insel“ mit Katrin Sass (Foto oben, ausgestrahlt im Dezember 2017, ARD)
Mit wilden Bären nimmt es die kanadische Inselbewohnerin Susan (Katrin Sass) locker auf. Ebenso unerschrocken richtet sie ihr Gewehr auf Harry (Wolfgang Stumph), will sie doch verhindern, dass sich der Eindringling auf ihrem Eiland in Nova Scotia häuslich niederlässt. Schließlich demoliert die toughe Einsiedlerin auch noch das einzig verfügbare Boot. Die Nachbarn wider Willen sitzen also gemeinsam auf dem traumhaften Stück Land fest. In der erzwungenen Zweisamkeit erfährt Harry, dass Susan unheilbar krank ist. Er will ihr helfen – begleitet von der Erinnerung, dass er einst seiner todkranken Frau Sterbehilfe leistete und deshalb im Knast landete. Büchsenlady (Katrin Sass) versus Bangbüx (Wolfgang Stumph): Wunderbarer Showdown in der Wildnis mit einem bestens aufgelegten Darsteller-Duo und jeder Menge Situationskomik inklusive beinharten Kämpfen mit Knarre und Bratpfanne. Der Film wartet aber auch mit ernsten Untertönen und leisen Momenten auf, in denen Katrin Sass ihre große schauspielerische Kunst zeigen kann. Und mit bezaubernden Naturaufnahmen macht der Film Lust auf eine Auszeit auf einer kanadischen Insel.

ANKÜNDIGUNG
KONZERTE

Katrin Sass
Königskinder

27. und 28. Mai 2018, jeweils 20 Uhr 
Köstritzer Spiegelzelt
Beethovenplatz in Weimar



 

 

Katrin Sass

BERICHT
KONZERT



„Ich war ein Kind der DDR“


Beim Konzert in der Berliner Bar jeder Vernunft präsentiert Katrin Sass Lieder aus der TV-Serie „Weissensee“ sowie von Karat, Holger Biege und Reinhard Mey. Zudem lobt die Schauspielerin Peter Maffays gesamtdeutsches Engagement, nimmt die einstigen „guten Freunde in der Volksarmee“ auf die Schippe und plaudert mit den Fans.

Eine Minute lang singt sie sanft von zwei Liebenden – dann hält Katrin Sass plötzlich inne, mitten im „Weissensee“-Lied „In dem Cafe“. Denn sie kann erst weitersingen, wenn sie vorher eine Erläuterung einschiebt, davon ist sie überzeugt. Also: Zu DDR-Zeiten war das Cafe im Fernsehturm am Alexanderplatz ein Treffpunkt für (verliebte) Ostler und Westler.
Lachend erinnert sich Katrin Sass an Walter Ulbrichts Blamage im Zusammenhang mit dem Fernsehturm. Als der stolze Bau anno 1969 fertig war, traute der SED-Chef seinen Augen nicht. Bei Sonnenschein bildet sich auf der Turmkugel nämlich ein leuchtendes Kreuz. Damals mutete diese Reflexion an wie eine wahrhaft glänzende Verhohnepipelung der staatlichen Kirchenfeindlichkeit. Hinzu kam der gegen den „Spitzbart“ und Genossen gerichtete Spott der Lästermäuler: „Rache des Papstes“. Die gebürtige Schwerinerin erzählt davon genüsslich. Und einige Zuschauer geben auch noch ihren Senf dazu.
Katrin Sass ist eine grandiose Sängerin – das beweist sie eindrucksvoll. Und sie setzt auch auf den Dialog mit dem Publikum. Gerade diese Kombination macht die hohe Qualität ihres Auftritts aus. Jedes Lachen in der Menge registriert sie, auf jeden Zuruf reagiert sie. Die Fans in der ersten Reihe sitzen direkt an der Bühne. Blicken auf zu der edel in Schwarz-Weiß gekleideten Künstlerin. Die Temperamentvolle fragt ihre Bewunderer, in welchem Berliner Kiez sie wohnen, interessiert sich für das Sternzeichen, überprüft, ob noch Russischkenntnisse aus DDR-Schulzeiten vorhanden sind. Einige Vokabeln aus dem Russischunterricht hat sie selbst noch im Kopf gespeichert und sagt sie nun fleißig auf. 
Dann kündigt sie ein „gesamtdeutsches Lied“ an. „Welches meine ich wohl?“ fragt sie in die Runde. Die Zuschauer grübeln. Dann rufen einige: „Über sieben Brücken“. Die Berlinerin nickt zufrieden und lobt Peter Maffay. Schließlich habe er das Lied der DDR-Gruppe Karat in den Westen „rübergeschleppt“.
In der Berliner Bar mit hohem Wohlfühlfaktor bestritt Katrin Sass im Juni und Juli 2015 neun Liederabende mit dem Titel „Königskinder“  –  zehn Jahre nach ihrem dortigen Debüt mit dem Schlagerabend „Fahrt ins Blaue“. In den vergangenen Jahren trat die Charismatische immer wieder auf Konzertbühnen auf. 2013 veröffentlichte sie ihr erstes Album „Königskinder“ –  unter anderem mit Liedern der mehrfach preisgekrönten TV-Serie „Weissensee“. Eindrücklich, empathisch sowie emotional anrührend agiert Katrin Sass darin als Sängerin Dunja Hausmann zu DDR-Zeiten.
Wie einst am Set singt sie nun auch in der Bar von Unterdrückung und Freiheitsdrang im einstigen Unrechtsstaat. Ganz besonders schön klingt ihre eindringliche und unverwechselbare Stimme bei den Liedern „In dem Cafe“, „Was rettet die Welt“ oder bei der Volksballade „Königskinder“ –  mit veränderten Zeilen, so heißt es beispielsweise „die Mauer war viel zu hoch“ statt „das Wasser war viel zu tief“. Als Katrin Sass berichtet, dass auch noch eine vierte „Weissensee“-Staffel gedreht wird, brandet Applaus auf.
Eine Hommage an den aus der DDR stammenden Komponisten Holger Biege ist ihr „Reichtum der Welt“. Der Text sei „heute aktueller denn je“ lässt die Nachdenkliche die Zuschauer wissen: „Das Land und auch die Ozeane können sich nicht wehren. Ihre Schätze sollen Späteren auch so wie uns gehören“.
Wonneschauer jagen über den Rücken so manchen Zuschauers als sie „Ich wollte wie Orpheus singen“ und „Über den Wolken“ von Reinhard Mey präsentiert. Enthusiastische Musiker begleiten sie: der Pianist Henning Schmiedt sowie die Cellistin Ulrike Röseberg. Sie ist auch Schauspielerin und stand mit Katrin Sass für die TV-Knastserie „Block B“ vor der Kamera. 
Im Zugabeteil tanzt Katrin Sass flott über die Bühne, verkündet „Ich war ein Kind der DDR“ und  schmettert „Wir haben den Farbfilm vergessen“ ins Mikro. Dann nimmt sie die stramme Haltung eines folgsamen Pioniers an und singt mit Inbrunst: „Soldaten sind vorbeimarschiert. Im gleichen Schritt und Tritt. Wir Pioniere kennen sie. Und laufen fröhlich mit. Gute Freunde, gute Freunde, gute Freunde in der Volksarmee.“ Mit niedlichem Gesichtsausdruck ein braves Mädel imitierend, will sie schließlich das Publikum mit dem „Sandmann, lieber Sandmann“-Schlaflied in die brüllend heiße Berliner Juli-Nacht entlassen. Doch müde macht sie damit die jubelnden Zuschauer keineswegs. Im Foyer versammeln sie sich nach dem Konzert. Sie plaudern mit Katrin Sass, lassen die „Königskinder“-CD signieren, schreiben ellenlange Texte in das Gästebuch der Bar und loben den Auftritt beispielsweise als „supermegaspitzenklasse“. Aleksandra Majzlic