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Houston Symphony

ANKÜNDIGUNG
KONZERT
Houston Symphony Orchestra – 19. März 2018, 20 Uhr, Philharmonie im Gasteig
Hilary Hahn, Violine;
Andrés Orozco-Estrada, Leitung




In München betört das Houston Symphony Orchestra das Publikum mit Leonard Bernsteins Ouvertüre zur „West Side Story“ und der Serenade für Violine, Streicher, Harfe und Schlagzeug  –  als Hommage an Bernsteins 100. Geburtstag. Auf dem Programm steht zudem Antonín Dvořáks Symphonie Nr. 7 d-moll op. 70. Dvořáks Siebte und Achte sind auch auf der 2016 veröffentlichten CD des Orchesters zu hören (Label: Pentatone).
Das Houston Symphony Orchestra gastiert im März 2018 in München, Berlin, Hamburg, Hannover, Essen, Wien, Brüssel und Warschau. Die mehrfach ausgezeichnete Violinistin Hilary Hahn begleitet die Truppe.
Es ist Andrés Orozco-Estradas erste internationale Tour mit dem Houston Symphony Orchestra. Seit 2014 ist der Kolumbianer Chefdirigent des Orchesters; zu seinen Vorgängern zählen Christoph Eschenbach und Hans Graf. Das Houston Symphony Orchestra gehört zu den führenden Orchestern der USA, gibt 170 Konzerte pro Jahr und ist international viel unterwegs – als Botschafter der Stadt Houston und seiner Region.
Die größte Stadt in Texas wartet in einem der größten Theaterviertel der USA unter anderem mit dem Houston Symphony Orchestra, mit der Houston Grand Opera und dem Houston Ballet auf. Houston ist nicht nur die Kultur- sondern auch die Gastro-Hauptstadt im Süden des Landes mit mehr als 10.000 Restaurants; in der jungen Metropole (Durchschnittsalter: 34 Jahre) geht man mehrmals pro Woche essen. Zudem punktet die viertgrößte Stadt der USA als Tax-Free-Eldorado für Viel-Shopper. A.M.

 

 

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Buch Ude
GEWINNSPIEL
BUCH „Die Alternative oder: Macht endlich Politik“ von Christian Ude (Knaus Verlag) zu gewinnen. Wenn Sie sich an dem Gewinnspiel beteiligen möchten, schicken Sie bitte bis zum 19. August 2017 eine Mail an gewinnspiel(at)m-lifestyle.de.

Schonungslos zieht Christian Ude in seinem höchst beachtenswerten und aufrüttelndem Buch Bilanz und sorgt für heftige Böen im Blätterwald.
Der Saal im
Bildungszentrum Einstein der Münchner Volkshochschule ist bis auf den letzten Platz besetzt und im Vorraum wird die Buchpräsentation für etliche Zuschauer auf einer Leinwand übertragen. Münchens ehemaliger Oberbürgermeister redet bei der Veranstaltung Tacheles und meint selbstkritisch: Was die Integration angehe, habe er „das Problem unterschätzt und die Hoffnung überschätzt.“ Dazu führt er aus: „Die Gastarbeiter in den Sechzigern und Siebzigern waren zufrieden, weil sich ihr Schicksal gebessert hatte. Die nächste Generation wollte ein größeres Stück vom Kuchen und die nächste Generation wollte das Kuchenrezept mitbestimmen.“
„Problematisch“ ist für Ude die Burka: „Ich habe doch ein Recht darauf, zu wissen, mit wem ich es zu tun habe.“ Und die doppelte Staatsbürgerschaft, die er früher befürwortet habe, sehe er heute „kritisch“, so der Alt-OB. In vielen Gesprächen mit Türken sei er zu der Überzeugung gelangt: „Die doppelte Staatsbürgerschaft ist die Waffe des schlimmsten Nationalismus.“

In der letzten Reihe im Saal werden Plakate sichtbar – darauf steht „Brandstifter“ und „Thilo Ude“ (in Anspielung auf Sarrazin). Zu „Brandstiftern“ schreibt Ude in seinem Buch: „Es ist zweifellos so, dass sich mancher Brandstifter als besorgter Bürger ausgibt. Aber ist deshalb jeder besorgte Biedermann ein Brandstifter?“ 


 

 

Avital
GEWINNSPIEL
CD „Avital Meets Avital“ von Avi und Omer Avital (Deutsche Grammophon) zu gewinnen. Wenn Sie sich an dem Gewinnspiel beteiligen möchten, schicken Sie bitte bis zum 31. Juli 2017 eine Mail an gewinnspiel(at)m-lifestyle.de.

Sinneslust, Sehnsuchtsgefühle und Erinnerungen prägen das Album „Avital Meets Avital“ –  das Ergebnis einer genialen musikalischen Symbiose, angereichert mit marokkanischen Rhythmen, israelischen Harmonien, Klassik und Jazz.
Der klassische Mandolinist Avi und der Jazzbassist Omer könnten schon rein optisch Brüder sein. Und sie tragen denselben Nachnamen und teilen die damit verbundene Familiengeschichte. Aufgewachsen im Israel der Achtzigerjahre identifiziert sie der Nachname als Nachkommen jüdischer Immigranten aus Marokko. Als Hommage daran ist das „Maroc“ sowie das  „Ana Maghrebi“ („Ich bin Marokkaner“) auf der CD zu hören. Und als Huldigung ihrer Elterngeneration haben sie das Stück „The Source and the Sea“ des israelisch-polnischen Komponisten Moshe Vilenski auf das Album gepackt.
Die wunderbaren Instrumentalstücke entstanden aus dem Dialog der Avitals und wurden überwiegend eigens für dieses Album komponiert. Beide Musiker wagen sich auf neues Terrain: Avi, der bisher seine Aufmerksamkeit auf das klassische Mandolinen-Repertoire konzentrierte, spürte Klängen und Farben aus seiner Vergangenheit nach und der Jazz-Musiker Omer begab sich auf klassische Wege („Lonely Girl“, „Ballad for Eli“).
Beim Schleswig-Holstein Musik Festival (1. Juli bis 27. August 2017) bestreiten Avi und Omer Avital das Konzert „Avital Meets Avital“: „Omer und ich haben zur selben Zeit an der Musikhochschule in Jerusalem studiert und blieben in engem Kontakt, mit viel Bewunderung für die Arbeit des anderen, bis wir vor vier Jahren das erste Mal zusammen musizierten“, schwärmt Avi Avital: „Das Programm ist weder Jazz noch Klassik, noch nicht einmal Weltmusik. Vielmehr vereint es diese drei Welten. Das Ergebnis ist ein Programm mit vielen Improvisationen und schnellen, fröhlichen und marokkanischen Rhythmen, ein „Upbeat“-Erlebnis!“

 

 

 

Keyserling
GEWINNSPIEL
BUCH „Fürstinnen“ von Eduard von Keyserling (Manesse Verlag) zu gewinnen. Wenn Sie sich an dem Gewinnspiel beteiligen möchten, schicken Sie bitte bis zum 31. Juli 2017 eine Mail an gewinnspiel(at)m-lifestyle.de.

Glänzend verbindet der aus altem baltischem Geschlecht stammende Sprach- und Stimmungsmagier Keyserling Kritik an der Aristokratie mit fein gezeichneten Frauenporträts: Nur nicht aus Liebe heiraten und nur ja keinen Gedanken an einen Verehrer niederer Herkunft verschwenden. Diese Gebote verinnerlichen standesbewusste Fürstinnen. Nur Marie von Neustatt-Birkenstein ist nicht darauf erpicht, auf einen reichen Traummann zu warten. Ihre fixe Idee ist es vielmehr, „sich zu entwickeln“. Was für ein unglaubliches Unterfangen!




 

Vierzig Herbste
GEWINNSPIEL
BUCH „Vierzig Herbste“ von Nina Willner (Propyläen Verlag) zu gewinnen. Wenn Sie sich an dem Gewinnspiel beteiligen möchten, schicken Sie bitte bis zum 31. Juli 2017 eine Mail an gewinnspiel(at)m-lifestyle.de.


Eindrucksvolle Familiengeschichte im Schatten des Kalten Krieges: Im Jahr als die Berliner Mauer gebaut wird, kommt Nina in Washington, D.C. zur Welt. Im Alter von fünf Jahren erfährt sie von ihrer Großmutter, die im großen Gefängnis DDR lebt. Das Mädchen will den Vorhang am liebsten beiseite ziehen. Ihre Mutter sagt ihr, sie werde ihre Oma eines Tages kennenlernen.

Siebzehn Jahre später kommt Nina tatsächlich nach Ostberlin – als US-Geheimagentin. Sie soll die  Militärgeheimnisse der Sowjets in der DDR aufdecken. Eine gefährliche Aktion. Und obwohl sie nun hinter dem eisernen Vorhang ist, kann sie keinen Kontakt zu ihrer Familie aufnehmen, denn als Agentin ist ihr das untersagt. Nur von Fotografien kennt sie ihre regimekritische Großmutter, ihre von Freiheit träumende Tante Heidi und ihre Cousine Cordula, die es als Radsportlerin bis ins DDR-Nationalteam der DDR geschafft hat. Wird sie ihnen jemals begegnen?






Die Schwestern
GEWINNSPIEL
BUCH „Die Schwestern“ von Jan Guillou (Heyne Verlag) zu gewinnen. Wenn Sie sich an dem Gewinnspiel beteiligen möchten, schicken Sie bitte bis zum 31. Juli 2017 eine Mail an gewinnspiel(at)m-lifestyle.de.

Die Angst ist der ständige Begleiter in Guillous aufwühlender Widerstandsgeschichte in den Wirren des Zweiten Weltkrieges: Die Familie Lauritzen wird von den aktuellen politischen Ereignissen mitgerissen: Die Töchter sind im Widerstand aktiv – allen voran Johanne. Sie agiert zunächst als Kurier für den norwegischen Widerstand, wird bei einer Sabotage-Aktion lebensgefährlich verletzt, schmuggelt fortan norwegische Widerstandskämpfer über die Grenze nach Schweden und wird schließlich von einer Spezialeinheit der britischen Armee rekrutiert.

 

 

 

Shalev
GEWINNSPIEL
BUCH „Mein Wildgarten“ von Meir Shalev (Diogenes Verlag) zu gewinnen. Wenn Sie sich an dem Gewinnspiel beteiligen möchten, schicken Sie bitte bis zum 31. Juli 2017 eine Mail an gewinnspiel(at)m-lifestyle.de.

Mit reichlich Fantasie gesegnet ist Meir Shalev, wie es sich für einen Schriftsteller gehört. Und das erweist sich nicht nur beim Ersinnen von Geschichten, sondern auch im Alltag als äußerst hilfreich. So erwähnte er die Sprinkler der automatischen Bewässerungsanlage, die er gar nicht hat, um ein Hochzeitspaar nebst Fotograf und Gesellschaft aus seinem ureigenen Wildgarten-Paradies im Norden Israels zu vertreiben.
Meir Shalev ist einer der bekanntesten und beliebtesten Autoren Israels und erhielt 2006 den Brenner Prize, die höchste literarische Auszeichnung in seiner Heimat. Amüsante und anrührende Geschichten wuchern nur so in seinem Buch „Mein Wildgarten“; die schönen Illustrationen sind von seiner Schwester Refaella Shir.
Bei der Buchpräsentation im Jüdischen Gemeindezentrum in München las Shalev Passagen aus seinem Werk in hebräischer Sprache und der Schauspieler Udo Wachtveitl übernahm die Lesung in deutscher Sprache.
Natürlich sei er kein professioneller Gärtner, sondern ein Hobbygärtner, erläuterte Shalev in München: „Aber wilde Blumen sind stark genug, das zu überleben.“ Um sie zu beschützen, musste er beispielsweise Wildschweine in seinem „chaotischen“ Garten beschwichtigen und schweres Geschütz gegen die Blindmaus auffahren. Ein schwieriger Gegner sei auch die „deutsche Wespe“, in seinen Augen eine Vertreterin eines „totalitären Systems“, während er selbst ein „liberaler Demokrat“ sei. „Die Guten werden am Ende gewinnen“, sagte Shalev lachend: „Also werde ich der Gewinner sein.“ 




 

Wilde
GEWINNSPIEL
BUCH „Zeit ist Geldverschwendung. Kühle Sprüche“ von Oscar Wilde (marixverlag) zu gewinnen. Wenn Sie sich an dem Gewinnspiel beteiligen möchten, schicken Sie bitte bis zum 31. Juli 2017 eine Mail an gewinnspiel(at)m-lifestyle.de.

„Ich bin der einzige Mensch auf der Welt, den ich gern gründlich kenne möchte, aber ich sehe nicht ein, wie mir dies gelingen soll“, schrieb Oscar Wilde. Er bedauerte: „Wie schade, dass wir im Leben unsere Lektionen immer erst bekommen, wenn wir gar nichts mehr damit anfangen können.“ Wer die flotten Sprüche des irischen Salonlöwen parat hat, kann auch heute noch bei so mancher Party punkten.
In Dublin war der Schriftsteller („Das Bildnis des Dorian Gray“) bekannt als Dandy. Im Alter von dreißig Jahren heiratete er. Über Zweisamkeit und Ehe schrieb er: „Die Frauen lieben uns um unserer Fehler willen. Wer viele solcher Fehler besitzt, dem verzeihen sie alles, sogar überragenden Geist.“ und „Der Mann heiratet aus Übersättigung. Die Frau aus Neugierde. Beide werden enttäuscht.“
Als Dramatiker gelang ihm 1895 der Durchbruch mit „Bunbury“, aber noch im selben Jahr wurde er wegen seiner Liebesbeziehung zu Lord Alfred Douglas in einen verhängnisvollen Prozess mit dessen Vater verwickelt.

 



Liebesbriefe
GEWINNSPIEL
BUCH „Liebesbriefe großer Frauen. Nimm meine Seele auf und trinke sie ...“, herausgegeben von Sabine Anders und Katharina Maier (marixverlag) zu gewinnen. Wenn Sie sich an dem Gewinnspiel beteiligen möchten, schicken Sie bitte bis zum 31. Juli 2017 eine Mail an gewinnspiel(at)m-lifestyle.de.

Zarte Emotionen, wildes Begehren, Enthüllungen jenseits gesellschaftlicher Tabus – das kennzeichnet diese in dem Band versammelten Liebesbekenntnisse. Denn der Brief, so die Ansicht von Ricarda Huch, ist jene literarische Ausdrucksform, die Frauen am meisten entspricht: zwanglos, spontan, impulsiv, leidenschaftlich.
Sie wohnten nur zehn Schritte voneinander entfernt, sahen sich dreimal täglich: Rosa Luxemburg und Leo Jogiches. Obwohl sie nicht miteinander verheiratet waren, betrachtete Rosa Luxemburg ihren „Dziodzio“ und „Goldenen“ als Ehemann, schrieb ihm an die 1000 Briefe. In einem heißt es: „Du bist jetzt nicht bei mir, aber meine Seele ist voll von Dir, Dich umfassend.“
Als Quasi-Eheleute lebten auch George Sand und Fréderic Chopin zusammen. „Sie werden angebetet!“ schrieb die Schriftstellerin beispielsweise dem Komponisten, den sie als „liebes Kind“ bezeichnete. Ihre Bitte: „Lieben Sie Ihre Alte so sehr, wie sie Sie liebt.“
Eine geheime Affäre hatte die Schauspielerin Eleonora Duse mit dem Dramatiker Arrigo Boito, dessen Namen sie faszinierte: „Ich möchte ihn auf alle Straßen schreiben, auf denen ich gehe, ich möchte ihn in roter Farbe schreiben, denn jedes Äderchen in meinem Körper trägt die Farbe von Arrigo, es ist nicht mehr Blut, das ich in den Adern habe.“

 

 

 

Karasek
GEWINNSPIEL
BUCH  „Nach dem Krieg. Wie wir Amerikaner wurden“ von Hellmuth Karasek (Europa Verlag) zu gewinnen. Wenn Sie sich an dem Gewinnspiel beteiligen möchten, schicken Sie bitte bis zum 31. Juli 2017 eine Mail an gewinnspiel(at)m-lifestyle.de.

Hellmuth Karasek beging 1952 Republikflucht mit einem Kameraden: Vom Bezirk Halle kam er nach Ostberlin, setzte sich in die S-Bahn und fuhr über den Bahnhof Friedrichstraße hinaus nach Westberlin; dort machte er Bekanntschaft mit Amerika. 
„Amerika, das war für meinen Mann und für viele seiner Generation Verheißung und Bestreben. Es war der Gegenentwurf zur Nazizeit und zum Stalinismus (…). Amerika, das war Cole Porter und Marilyn Monroe, das waren breite Straßen, schmucke Häuser, Unis, an denen debattiert und
protestiert wurde, New York und Hollywood, Philip Roth und John Updike, die Westside Story statt der Capri-Fischer“, so Armgard Seegers-Karasek im Vorwort des mit Anekdoten angereicherten, unterhaltsamen wie informativen Buches des großen Erzählers Karasek.
Besonders schick war eine Cordjacke in den Fünfzigern, darunter trug der 19-Jährige Hellmuth eine Parallelo genannte Strickjacke und ein weißes oder schwarzes Hemd. Und darunter – Marlon Brando zu Ehren – ein weißes Unterhemd mit halblangen Ärmeln. Und dann gab noch den Nicki in allen erdenklichen Farben und die Cordhose als Vorläufer der Jeans. Es war die Zeit als Hellmuths Freundin in seinen Armen unterdrückt stöhnen musste, damit ihre Mutter nichts hörte.
Vorpreschend hingegen war die damalige Sprache der Bundesrepublik, ihr nie vollständig vorgetragener Hauptsatz lautete: „Man muss endlich sagen dürfen, dass nicht alles schlecht war.“–  Wenige Wochen vor seinem Tod im September 2015 begann Hellmuth Karasek mit diesem Buch, der mit dem berühmten Literaturkritiker befreundete Autor Michael Seufert stellte es in dessen Sinne fertig.

 

 

 

Rossellini BERICHT
BUCHVORSTELLUNG







„Ich liebe das Landleben“



Ob sie eine passionierte Köchin ist, wie Hennen unterwürfige Hähne behandeln und warum einer ihrer gefiederten Lieblinge Andy Warhol heißt, das verriet die Schauspielerin Isabella Rossellini in ihrem Buch „Meine Hühner und ich“ sowie bei der Präsentation des Bandes im Münchner Showroom des Schirmer/Mosel Verlages. 

„Du dummes Huhn!“ –  diese Beschimpfung erzeugt völlig falsche Vorstellungen: Isabella Rossellini erklärt: „Hühner sind schlau. Sie erkennen beispielsweise bis zu 100 Artgenossen in ihrem Stall und nehmen mehr Farben wahr als wir Menschen.“ Die Schauspielerin weiß, wovon sie spricht, schließlich verfügt sie über einen Universitätsabschluss in Verhaltensforschung. Zudem züchtet sie auf ihrer Farm auf Long Island neben Schafen, Truthähnen, Bienenvölkern und Biogemüse auch 80 Hühner, genauer gesagt die alte Rasse „Heritage Chicken Breeds“. Mit Hahn und Henne kam die Tochter von Ingrid Bergman und Roberto Rossellini schon in der Kindheit in Berührung – in Italien, auf dem Lande. „Ich liebe das Landleben“, schwärmt die Buchautorin.
Nun legt die 64-Jährige das zum Gackern komische Handbuch  „Meine Hühner und ich“ (Schirmer/Mosel Verlag) vor: mit ihren höchst gelungenen Hühner-Zeichnungen und tollen Photographien von Patrice Casanova. Ihre Models hielten dafür brav still, flatterten nur ab und zu davon. „Mit meinem Buch möchte ich die Leute zum Lachen bringen“, sagt die Tierliebhaberin. Hühner stammen von Dinosauriern ab, erfahren die Leser beispielsweise – oder: Hennen paaren sich vorzugsweise mit dominanten Hähnen und können das Sperma unterwürfiger Hähne aus ihrem Körper ausstoßen.
Unter ihrer Obhut gedeihen die frisch geschlüpften Küken prächtig. Die bunt-gefiederten Jungtiere gleichen in Aussehen und Charakter keineswegs gemästeten Suppenhühnern. Auch die Eier unterscheiden sich voneinander. Isabella Rossellini blättert in ihrem Buch, zeigt den Journalisten die Seite, auf der die länglichen und runden Eier in Bräunlich, Hellblau und Rosé von ihren Hühnern sowie die „plastikähnlichen“ Supermarkt-Eier zu sehen sind.
„Kochen Sie gerne?“ will eine Journalistin wissen. Die Antwort: „Ich muss eigentlich gar nicht viel kochen. Ich habe mein Gemüse und meine Eier, das reicht mir. Denn ich bin zwar keine Vegetarierin, aber ich könnte niemals ein Tier essen, das ich gekannt habe.“
Die Hühner erkennen ihre Gönnerin, das merkt sie, wenn sie sie beispielsweise füttert; mit welcher Hingabe sie sich dieser Aufgabe widmet, zeigt ein Foto im Buch. Nicht allen Hühnern hat die Künstlerin Namen gegeben, aber ein Darling heißt beispielsweise Andy Warhol – wegen der Frisur. Und einen weiteren Schatz nennt sie Amelia Earhart, weil das Tier ebenso schwindelerregende Abenteuer wagt wie die Flugpionierin. Aleksandra Majzlic

 


 

 

Blauer Reiter BERICHT
KUNST





Kunst als Weltsprache 


Der „Blaue Reiter“  sprintete durch Berlin, Frankfurt, Madrid, Venedig und wagte den Sprung nach New York. Nun ist die weltweit größte Sammlung an Bildern aus dem Künstlerkreis wieder im Münchner Lenbachhaus.

Die Bilder mussten reisen – denn Marcs Ziel war es schließlich, dass man den Ideen der Künstlergruppe „Der Blaue Reiter“ auf der Landstraße begegnen sollte. Nun sind die Werke wieder an ihrem angestammten Platz. Das Lenbachhaus richtete die Abteilung des „Blauen Reiter“ wieder ein – nach den Ausleihen für die Kooperationsausstellungen „August Macke und Franz Marc. Eine Künstlerfreundschaft“ (2015) und „Klee und Kandinsky. Nachbarn, Freunde, Konkurrenten“ (2015/2016) sowie für Ausstellungen im Museo Thyssen-Bornemisza Madrid, im Museum of Modern Art in New York, im Frankfurter Städel, in der Alten Nationalgalerie Berlin, im Palazzo Ducale, Venedig etc.
Leihgaben gingen auch nach Asien und nach Russland. Und deshalb zieht das Lenbachhaus auch viele Asiaten und Russen an. „Der Blaue Reiter ist ein kultureller Botschafter der Stadt München“, sagte Münchens Kulturreferent Hans-Georg Küppers beim Presserundgang: „Paris hat seinen Eiffelturm, wir haben unseren Blauen Reiter“,
Das Lenbachhaus besitzt die weltweit größte Sammlung zur Kunst des „Blauen Reiter“, eine der bedeutendsten Künstlergruppen der Avantgarde zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Diesen Umstand verdankt das Museum in erster Linie der großzügigen Stiftung von Gabriele Münter. Anlässlich ihres 80. Geburtstags 1957 machte die Malerin dem Lenbachhaus über 1000 Werke des „Blauen Reiter“ zum Geschenk. Mit dieser großartigen Schenkung wurde die Städtische Galerie im Lenbachhaus zu einem Museum von Weltrang.
Das einzigartige Ensemble der Gabriele Münter Stiftung wurde 1965 durch eine weitere wichtige Schenkung ergänzt: Angeregt durch ihr Vorbild stifteten die Erben von Bernhard Koehler Hauptwerke von Franz Marc und August Macke.
Der Kreis des „Blauen Reiter“ in München und Murnau gehört neben der Künstlergemeinschaft der „Brücke“ in Dresden und Berlin zur wichtigsten Erneuerungsbewegung der deutschen Kunst des 20. Jahrhunderts. Im Gegensatz zum figürlichen Expressionismus der „Brücke“-Künstler entwickelte der Kreis des „Blauen Reiter“ ab 1908 eine spezifische Art von strahlend farbiger, expressiver und zum Teil abstrahierender Formensprache.
„Mit seiner Abstraktion hat der Blaue Reiter die Idee der Weltsprache der Kunst entwickelt“, so Lenbachhaus-Direktor Matthias Mühling. Spezifikum des „Blauen Reiter“ war der Pluralismus der künstlerischen Äußerungen. In ihrem 1912 herausgegebenen Almanach „Der Blaue Reiter“ stellten Kandinsky und Marc Volkskunst, Kinderkunst, ägyptische Schattenbilder, afrikanische Schnitzereien oder bayerische Hinterglasbilder gleichberechtigt neben die Kunstwerke alter europäischer Meister oder der aktuellen Avantgarde. In diesem Sinne hatten Kandinsky und Marc in ihrem nicht veröffentlichten Vorwort für den Almanach geschrieben: „Das ganze Werk, Kunst genannt, kennt keine Grenzen und Völker, sondern die Menschheit.“ Ein eigener Raum ist dem Almanach und seinen Bildwerken im Lenbachhaus gewidmet. Auf einem Touchscreen kann der Besucher durch das berühmte Buch blättern.
Der m
it „Blauer Reiter“ betitelte Almanach gab der ganzen Bewegung den Namen. Die historische Redaktionssitzung fand am 24. und 25. Oktober 1911 im Haus von Wassily Kandinsky und Gabriele Münter in Murnau statt. Mit dabei: Franz und Maria Marc sowie August und Elisabeth Macke. Im Salon von Marianne von Werefkin und Alexej von Jawlensky (Foto: Bildnis des Tänzers Alexander Sacharoff, 1909) in der Giselastraße in München debattierten die Maler regelmäßig.
Kreative Jahre verbrachte Wassily Kandinsky von 1909 bis 1914 mit seiner Lebensgefährtin Gabriele Münter in einem Landhaus in Murnau, das heute als Münter-Haus bekannt ist. Sie hatten das Städtchen bei einem Malerausflug entdeckt
. Franz Marc bezeichnete die ganze Region wegen ihrer über die Jahreszeiten hinweg wechselnden bläulichen Farb- und Lichtstimmungen als das Blaue Land und bekannte: „Blau ist die einzige Farbe, bei der ich mich wohlfühle.“ A.M.


„Das ganze Werk, Kunst genannt, kennt keine Grenzen und Völker, sondern die Menschheit“. „Der Blaue Reiter“ kehrt zurück. Seit Februar 2016 im Münchner Lenbachhaus, Dienstag 10 bis 20 Uhr, Mittwoch bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr und an allen Feiertagen geöffnet

 

 

 
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Jodeln

BERICHT
JODELKURS

 

Jauchzen vor Freude



Beim Jodel-Workshop der Bayerischen Philharmonie in München jodeln Soprane, Altsängerinnen, Tenöre und Bässe wie Verliebte. Die Bässe mögen es gerne „zärtlich“, lassen aber auch mal den Fußboden vibrieren. Alle Absolventen ergattern ein Jodeldiplom – als Hommage an Loriots Jodelschule und sein „Döduldö, zweites Futur bei Sonnenaufgang“.

 

Ein Jodelkurs ist eine harte Prüfung für unzertrennliche Paare. Nebeneinandersitzen und gemeinsam ins Notenheft schauen – das geht nun wirklich nicht. „Alt und Sopran, Bass und Tenor“, sagt eine Teilnehmerin des Jodelkurses und deutet auf die entsprechenden Plätze. Die beiden Neulinge blicken sie verdutzt an. Da schaltet sich die Kursleiterin ein. „Wenn Du nicht so oft singst, dann geh am besten zu den Bässen“, meint Brigitte Schaal zu dem Herrn. Die Dame hat eine Altstimme, wie sie feststellt.  
Jodeln war früher ein Verständigungsruf unter Almbesitzern. „So erkundigte man sich über eine große Entfernung hinweg beim Nachbarn ob alles in Ordnung ist“, erläutert Brigitte Schaal, die hauptberuflich im Volkslied-Archiv in Linz arbeitet. Gemeinsam mit Stefanie Unterberger gibt sie pro Jahr zwei Jodel-Workshops für Einsteiger mit Jodeldiplom – bei der Bayerischen Philharmonie im Münchner Stadtteil Pasing. An diesem Herbsttag erscheinen 21 Frauen und 14 Männer, die meisten von ihnen haben Gesangserfahrung.
Hemmungen beim Schmettern von „Draehodiri“, „Raillei ho“ & Co. muss kein Spätberufener haben, dafür sorgt Brigitte: „Singt einfach wie unter der Dusche.“ Stefanie springt auf und ab und bringt so die Gruppe in Schwung. Dann setzt sie zum Spaß ein ernstes Gesicht auf und meint: „Nicht so streng gucken.“ Von ihrem Unterricht als Musiklehrerin im Konservatorium in Bozen weiß sie, wie sie perfekt motivieren kann.
Eine Teilnehmerin schwärmt in der Pause von der Jodelschule von Loriot. Legendär ist die gelehrige Schülerin (Evelyn Hamann), die brav das „Holleridudödeldi“ wiederholt, damit ihr das Jodeldiplom sicher ist. „Wer bei uns ein Diplom will, muss neben dem Jodeln auch den Hüftschwung können“, verkündet Stefanie augenzwinkernd.
Weiter geht’s mit der oberbayerischen Volksweise „Wann d’Sunna aufgeht“ und der  Zeile „Nix Scheners als d’Liab kann ma net dafindn“.  „Wer verliebt ist, für den ist das leicht zu singen.  Wer gerade nicht verliebt ist, muss sich eben an das Gefühl erinnern“, verkündet Brigitte und lobt die „zärtlichen Bässe“. „Duftig“ machen die Bässe den „Schuldirndl-Jodler“. Etwas mehr Enthusiasmus verlangt Brigitte jetzt von ihren Schülern: „Denkt einfach an die Mädchen, aber nicht wenn sie morgens zur Schule gehen, sondern wenn sie mittags voller Freude die Schule verlassen.“ Sofort jauchzen alle vor Freude. Die Österreicherin freut sich,  wenn die Bässe den Fußboden „vibrieren“ lassen und selbst wenn das Gesangsergebnis mal nicht ganz überzeugend ist sagt sie: „Das klingt nicht falsch, sondern interessant“ oder „Das ist schon an der Grenze, dass es schön wird.“ Aleksandra Majzlic
 


 
Klassik Odeonsplatz Mercedes  

BERICHT
KONZERT



Grenzenlose Spielfreude






Beim diesjährigen Open-Air-Konzert Klassik am Odeonsplatz elektrisierte Martin Grubinger das Publikum mit Rhythmen an der Grenze zur Unspielbarkeit. Und der Hauptsponsor Mercedes-Benz wartete mit einem Autokonzert statt Autokino auf.

Hoch konzentriert legt der Multipercussionist die Stirn in Falten, als er seinem Xylofon helle und feine Töne entlockt. Mit Elan und Enthusiasmus geht Martin Grubinger bei den Schlagzeug-Nummern zu Werke, zeigt den Schwung in den Muskeln und beeindruckt die Zuschauer mit Schnellkraft und Ausdauer seiner Arme. Gemeinsam mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung von Manfred Honeck charmierte der Österreicher das Publikum.
Sein Puls liegt durchschnittlich bei 160 bis 190 Herzschlägen pro Minute. Vor Konzerten trainiert der Agile, der eigentlich Fußballer werden wollte, daher wie ein Sportler. Schließlich will der 34-Jährige den Fans immer „die volle Dosis verabreichen“, wie er einmal verriet. 
Rhythmen fast jenseits der Spielbarkeit wünschte er sich von Bruno Hartl, der für den damals 17-Jährigen das Schlagzeugkonzert op 23 mit 24 Percussion-Instrumenten komponierte. Mit Schlägeln, Händen und Fingern bearbeitet Magic Martin die Pauken im Konzert „The Tears of Nature“ von Tan Dun und in John Coriglianos Konzert „Conjurer“ („Zauberkünstler“) kommen Röhrenglocken, Tam-Tam und Becken zum Einsatz. Leroy Andersons „Typewriter“ gibt's als Zugabe und der zur Generation Laptop zählende Grubinger tippt brav auf einer alten Schreibmaschine.
Zudem spielte das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung von Manfred Honeck den Walzer „Hereinspaziert“ von Carl Michael Ziehrer, eine Fantasie aus Antonín Dvořáks Oper „Rusalka“ und Dmitrij Schostakowitschs Suite für Varieté-Orchester – vor rot, pink, grün und blau illuminierter Bühne. 
Den Premiumblick genossen zwei Mercedes-Kunden in einem schicken Mercedes-Benz Oldtimer. Sie hatten von Mercedes Benz den Spitzenplatz auf einer kleinen Bühne nahe der Feldherrnhalle gewonnen. Der alleinige Hauptsponsor des Klassik-Wochenendes lud Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in den Mercedes me Store am Odeonsplatz ein. A.M.

 

 

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Schuldt

ANKÜNDIGUNG
KONZERTE



 

Freud und Leid des Wanderns 


Wandern – so lautet das Motto des Münchener Kammerorchesters für die Konzertsaison 2017/2018. Dabei geht es um den Ausflug in die Berge, aber auch um das Verlassen der Heimat. Und erstmals wartet das MKO mit einer konzertanten Kurzoper auf.


Stolz blickte Clemens Schuldt auf seine erste Saison als MKO-Chefdirigent zurück, schwärmte bei der Pressekonferenz von der „intensiven Stimmung auf der Bühne“ und dem „konzentrierten und fröhlichen Arbeiten“: „In der Stadt und im Orchester fühle ich mich heimisch.“ In der Saison 2016/2017 verzeichnete das MKO einen Zuwachs bei den Abonnentenzahlen und den verkauften Karten.  
Die kommende Saison steht unter dem Motto „Wandern“  –  dem freiwilligen oder dem erzwungenen. Mit von der Partie sind beispielsweise Franz Schuberts „Wanderlieder“ und die „Wanderer-Fantasie“. Neben dem langjährigen Konzertmeister Daniel Giglberger konnte das MKO Yuki Kasai als neue Konzertmeisterin gewinnen.
Freundschaft verbindet Clemens Schuldt mit Jörg Widmann und Stefano Gervasoni, an die zwei der insgesamt vier Kompositionsaufträge gingen. Und Augustin Hadelich kennt der Chefdirigent bereits aus Kindertagen. Gerne erinnert er sich daran, dass er einst auf Schloss Elmau Geigen-Duos vom Blatt mit Augustin spielte. Mit dem nicht nur in Amerika gefeierten Geiger sowie mit Aaron Pilsan, Piotr Aderszewski, Michael Nagy und dem E-Gitarristen Bryce Dessner geht das MKO erstmals musikalisch auf Wanderschaft –  bei den Abonnement- und Sonderkonzerten. Und erstmals wird in einem Abonnementkonzert eine konzertante Kurzoper zu erleben sein: „Into the little Hill“, eine „lyric tale“ von George Benjamin, greift die Geschichte vom „Rattenfänger von Hameln auf.
Mit der 2003 gegründeten Reihe der Komponistenporträts in der Pinakothek der Moderne sei es gelungen, neben den Abonnementkonzerten im Prinzregententheater „in die Stadt hineinzuwirken“, so Geschäftsführer Florian Ganslmeier bei der Pressekonferenz. Die 43. bis 45. Ausgabe ist den Komponisten Per Norgard, Henryk Górecki und Sir Harrison Birtwistle gewidmet.
Neu ist die Kooperation mit whiteBOX.art: Clemens Schuldt und das MKO stellen mit den Trondheim Voices, der Südtiroler Komponistin Manuela Kerer und Sound- und Lichtgestaltern ein multimedial inszeniertes Wandelkonzert auf die Beine.
Und zum ersten Mal hat das MKO einen Kompositionsauftrag für das Kinderkonzert vergeben: Der für seine Filmmusik bekannte Ali N. Askin wird eine Fassung von „Peterchens Mondfahrt“ komponieren. Erzähler wird Udo Wachtveitl sein.

Optimistisch blickt der Geschäftsführer Florian Ganslmeier in die Zukunft, was die Suche nach einer neuen MKO-Heimat betrifft. Vorgesehen ist, dass das MKO inklusive Verwaltung in den umgebauten Gasteig einzieht, unter anderem den Chorprobensaal nutzt und als dauerhaftes „Ensemble in Residence“ zusätzliche Aktivitäten entwickelt. Die Abo-Konzerte bleiben aber im Prinzregententheater. A.M.

 

 

 

 

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Don Giovanni

BERICHT
OPER


Endstation Hölle


Gärtnerplatzproduktion „Don Giovanni“ im Cuvilliéstheater: Mit donnerndem Applaus  feiern die Zuschauer die Mozart-Oper – zeitgemäß und mit einem gesangsstarken Ensemble in Szene gesetzt.

Kein Rock ist vor dem schuftigen Schwerenöter sicher. Don Giovanni führt eine ellenlange Liebschaften-Liste. Allein sage und schreibe 1003 Spanierinnen konnten sich seines Charmes nicht erwehren. Höchst amüsant ist es, wie sein Diener Leporello in seiner Umhängetasche stets ein MacBook herumschleppt –  mit den höchst eindrucksvollen Eroberungsdaten. Doch Don Giovanni langweilt die ewige Jagd. Dieser Befindlichkeit trägt Walter Vogelweider auf seiner Drehbühne Rechnung – beispielsweise mit Uhren ohne Zeigern.
In der Friedhofsszene vernimmt Don Giovanni die Stimme des von ihm zuvor getöteten Komtur, dargestellt bei Herbert Föttinger als Jesusfigur am Kreuz. Der Komtur will den Don Giovanni zur Reue bewegen. Doch keine Chance, Don Giovanni bedauert keine seiner Sünden und fährt zur Hölle.
Das Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz mit dem Dirigenten Marco Comin präsentiert sich in Bestform. Zu den Höhepunkten zählt die Arie „Sag mir nicht, o mein Geliebter“ von Donna Anna (Jennifer O´Loughlin) sowie das Duett „Reich mir die Hand, mein Leben“ mit Don Giovanni (Mathias Hausmann) und Zerlina (Sophie Mitterhuber) auf einem Teppich voller roter Rosen. A.M.

 


Gaertnerplatz

ANKÜNDIGUNG
THEATER


Vorhang auf für das Unterhaltungstheater


An fast 2000 Abenden herrschte musikalisches Schweigen im Gärtnerplatztheater. Nach der Sanierung eröffnet das 152-jährige Traditionshaus zu Beginn der Saison 2017/2018 wieder seine Türen – mit der Operette „Die lustige Witwe“; die Regie übernimmt Staatsintendant Josef E. Köpplinger.

Weihnachten, Ostern und Geburtstag feiert Josef E. Köpplinger heuer im Oktober, verkündete er bei der Pressekonferenz. Denn dann ist die „fünfjährige Wanderschaft“ beendet und „eines der schönsten Opernhäuser Europas“ lüftet den nagelneuen Vorhang für Lehárs „Witwe“.„Sie ist eine der Königinnen der Operette“, schwärmte der Staatsintendant (Premiere: 19. Oktober 2017). Und: „Es ist selbstverständlich geworden, dass man das Unterhaltungstheater wieder ernst nimmt. Wenn auch nicht so selbstverständlich, wie ich mir das wünsche.“„Die lustige Witwe“ ist das Einstandsstück für den neuen Chefdirigenten Anthony Bramall. Aus der Oper Leipzig zugeschaltet, ließ der gebürtige Londoner die Journalisten wissen, dass während seiner Laufbahn „die Witwe immer da war.“ Köpplinger fügte lachend hinzu: „Ich hoffe, das hat er nur beruflich so gemeint.“
Am 22. Juni 2017 findet die Schlüsselübergabe am Gärtnerplatz statt. Die Stuhlpaten (Patenschaften ab 100 Euro bis zu 1000 Euro) dürfen am 22. Juli bei einem Pre-Opening einen Blick ins Allerheiligste werfen; bei der Premierenmatinee „Die lustige Witwe“ am 8. Oktober können die Münchner dann bei mehreren kostenlosen Führungen das Stammhaus betreten. Und bei der Eröffnungsgala am 14. und 15. Oktober präsentieren das 32-köpfige Solistenensemble, der Chor, die Ballettkompanie, der Kinderchor und das Orchester zusammen mit Überraschungsgästen unter der musikalischen Leitung von Anthony Bramall, Michael Brandstätter und Andreas Kowalewitz die schönsten Melodien.
Cornelia Froboess ist wieder da! 1984 reüssierte sie am Gärtnerplatztheater als Eliza Doolitte in dem Musical „My Fair Lady“ unter der Regie von August Everding und der Intendanz ihres Mannes Hellmuth Matiasek. In der kommenden Spielzeit wird die renommierte Schauspielerin Mrs. Higgins in Köpplingers Inszenierung verkörpern (Premiere: 13. Februar 2018). Die neue „eingebayerte“ Textfassung von Stefan Bischoff erstaunte Köpplinger: „Da gibt es bayerische Schimpfwörter, die ich noch nicht kannte.“
Das Publikum bescherte dem Haus in der vergangenen Saison eine Auslastung von 87,31 Prozent (bis Anfang Mai 2017). 2017/2018 punktet das Gärtnerplatztheater unter anderem mit der Uraufführung des „Pumuckl“-Musicals von Franz Wittenbrink nach Ellis Kaut (19. April 2018), der choreografischen Uraufführung des Balletts „La Strada“ (12. Juli 2018) nach dem gleichnamigen Fellini-Film mit der Musik von Nino Rota, der deutschsprachigen Erstaufführung des vielfach preisgekrönten Jukebox-Musicals „Priscilla – Königin der Wüste“ (14. Dezember 2017) sowie am 15. März 2018 mit der Münchner Erstaufführung der Oper „Weiße Rose“ (Studio, Junges Gärtnerplatztheater).  A.M.

 

 

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Residenztheater ANKÜNDIGUNG
THEATER



Zeiten des Umbruchs


Mit großen Namen wie „Don Karlos“ und „Philipp Lahm“ bestückt das Residenztheater in der Spielzeit 2017/2018 sein Programm. Neue Dramatik für rapide sich ändernde Zeiten – darauf setzen Intendant Martin Kušej und seine Mannschaft.

„Philipp Lahm“ im  Resi-Spielzeitheft zu lesen, mag überraschen. Möglich, dass die Fans ein Biopic erwarten. In Michel Decars Stück gehe es aber vielmehr um die „scheinbare Konfliktlosigkeit des Fußballspielens“ so Martin Kušej bei der Pressekonferenz. In den Regieanweisungen stehe, dass darauf zu achten sei, dass Philipp Lahm immer zufriedener werde, fügte Chefdramaturg Sebastian Huber hinzu. Der Star-Kicker wusste vor Veröffentlichung des Programms nicht, dass sein Name demnächst auf den Theaterkarten prangen wird. Gunther Eckes wird Lahm spielen (Uraufführung: 16. Dezember 2017, Marstall).
Um die Frage nach dem Umgang mit einer Zeit voller Umbrüche geht es in Maxim Gorkis „Kinder der Sonne“ (Premiere: 23. September 2017, Residenztheater). Die Protagonisten – Wissenschaftler, Künstler und Intellektuelle –  schotten sich selbst ab, obwohl gerade von ihnen ein erhöhtes gesellschaftliches Engagement in Krisenzeiten zu erwarten wäre. Ebenso gilt das für die im Berlin des aufkommenden Nationalsozialismus an den gesellschaftlichen Rand gedrängten Artisten in Ingmar Bergmans „Schlangenei“ (Premiere: 30. September 2017, Cuvilliéstheater). Mit diesen beiden Stücken eröffnet das Resi seine neue Saison.
Martin Kušej übernimmt die Regie von „Don Karlos“ (Premiere: 17. Mai 2018, Residenztheater).
Zum Berliner Theatertreffen 2017 ist das Resi mit „Die Räuber“ eingeladen. Ulrich Rasches
Inszenierung gehört damit zu den „zehn bemerkenswertesten Inszenierungen“ des vergangenen Jahres, eine der höchsten Auszeichnungen in der deutschsprachigen Theaterlandschaft. Stolz ist Martin Kušej auf das „Profil“ seines Hauses. „Große Stoffe“ könne man „technisch anspruchsvoll umsetzen“, so der Resi-Chef bei der Pressekonferenz: „Nur an wenigen Theatern kann man das überhaupt so machen.“
Das Publikum hielt dem Resi auch in der vergangenen Spielzeit die Treue, was die unverändert hohe Gesamtauslastung von 83,6 Prozent für alle drei Spielstätten beweist (September 2016 bis Ende März 2017). Die Abozahlen sind leicht angestiegen und das Haus lockt auch viele junge Leute an. Der Dialog mit dem Publikum ist dem Resi-Team wichtig. Im neuen Spielzeitheft porträtierte der Berliner Fotograf Peter Kaaden daher Zuschauer und die Ensemble-Mitglieder. Fest ins Resi-Ensemble kommen Nils Strunk, Katja Bürkle, Anna Drexler, Cynthia Micas, Lilith Häßle und Tim Wehrts. A.M.

 

 

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Kammerspiele ANKÜNDIGUNG
THEATER





Offene Türen für ein
Open Border Ensemble


Brechts „Trommeln in der Nacht“ setzen die Münchner Kammerspiele in Szene – als Hommage an die Uraufführung im eigenen Hause (1922, Regie: Otto Falckenberg). Und eine „Herzensangelegenheit“ für Intendant Matthias Lilienthal ist die Inszenierung von Feuchtwangers „Wartesaal“-Trilogie in der Spielzeit 2017/2018.

„Glotzt nicht so romantisch!“ stand auf Schrifttafeln im Theatersaal geschrieben – bei der Uraufführung von Brechts „Trommeln in der Nacht“ vor fast hundert Jahren. Es war die erste Uraufführung eines Brecht-Stückes überhaupt; Regie führte der damalige Intendant der Kammerspiele Otto Falckenberg. Hitler saß im Publikum. In der kommenden Spielzeit inszeniert Christopher Rüping das Stück über die „Verführung der Menschen durch Ideologien“ und geht dabei folgender Frage nach: „Inwieweit ist man bereit, sich für eine Idee zu opfern?“ Der  Hausregisseur schwärmte bei der Pressekonferenz von dem „saftigen Text“: „Alle sind ständig besoffen und der Mond ist rot.“ (Premiere: Dezember 2017, Kammer 1)
Die damalige Uraufführung von 1922 lobte Brechts Vorbild Lion Feuchtwanger. Die „Wartesaal“-Trilogie des Münchner Autors bringt Regisseur Stefan Pucher auf die Bühne – das sei eine „Herzensangelegenheit“ für das Kammerspiele-Team, wie Intendant Matthias Lilienthal bei der Pressekonferenz betonte (Premiere: November 2017, Kammer 1). Feuchtwanger musste seine Heimat in Deutschland verlassen und schrieb einen Großteil seiner Romane im Exil. In den drei Werken „Erfolg“, Die Geschwister Oppermann“ und „Exil“ thematisiert er den gesellschaftspolitischen Vorraum des Nationalsozialismus in Deutschland.
Das Unterwegssein und die Frage nach der Zugehörigkeit ziehen sich leitmotivisch durch die Spielzeit: Als Uisenma Borchu fünf Jahre alt war, kam sie mit ihren Angehörigen aus der Mongolei in die DDR. Die Familie war willkommen, erst nach der Wende unerwünscht. In ihrer ersten Theaterarbeit „Nachts, als die Sonne für mich schien“ (Uraufführung: 1. Oktober 2017, Kammer 3) setzt sich die Filmemacherin mit ihrer ostdeutschen Vergangenheit auseinander. An ihrer Seite: ihr Vater, ein Maler. „Er spricht auf der Bühne in seiner Sprache: der Kunst“, sagte Uisenma Borchu zu den Journalisten.
Für die kommende Spielzeit gründen die Kammerspiele ein Open Border Ensemble: Vier neue SchauspielerInnen, die sich im Exil befinden, verstärken das Ensemble. Zum Ensemble stoßen zudem Zeynep Bozbay, Nils Kahnwald und Benjamin Radjaipour. A.M.

 

 

 

 

 

 

David Garrett

BERICHT
KONZERT





„Ihr seid meine Inspiration“


 

Er lässt es ordentlich knallen  – auf seiner Explosive Live!-Tour 2016. David Garrett tritt erstmals auf einer drehbaren Centerstage auf. Mit Crossover im 360-Grad-Winkel sowie einer Lobeshymne auf die Fans und seine Familie wartet der Weltklassegeiger auf.

Mit einem lauten „Puff!“ sausen Funken aus Abschussrampen nach oben, gefolgt von Feuerballen. Den Fans direkt vor der Bühne stehen Schweißperlen auf der Stirn. Feuerwerksgeruch wabert durch die vorderen Sitzreihen. Im Verlauf des Konzertes folgen noch Tänzerinnen und Tänzer, die zu Schmuse-Nummern ganz eng umschlungene Liebespaare mimen oder sich in einer Reihe zusammenschließen, als David Garrett einen Sirtaki anstimmt.
Seine Explosive Live!-Tour führt den Musiker in die größten und schönsten Arenen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. In München tritt er vor 13.000 Zuschauern in der ausverkauften Münchner Olympiahalle auf. Den Bogen seiner 300 Jahre alten Stradivari schwingt der Ausnahmeviolinist auf einer für ihn designten Bühne mit vollständig drehbaren Elementen – in der Mitte der Halle, umringt vom Orchester und seinen Musikern.
David Garrett zeigt sich wie immer souverän und passioniert mit seinem vom Feuer der Emotionen durchdrungenen Spiel. Der Bühnenprofi setzt auf pyrotechnische Power, betört die Zuschauer aber vor allem auch in weniger effektgeladenen, intim anmutenden Momenten – beispielsweise mit Tschaikowsky (1. Klavierkonzert). Das habe wohl jeder schon mal irgendwo und irgendwann gehört, meint er. Seinen Fans nimmt der Crossover-Star die Angst vor der Klassik. „Mit klassischer Musik kenne ich mich nicht so gut aus“, das sei wohl jener Satz, der vielen in den Sinn komme, sagt er. Dennoch würden viele mehr Klassik kennen als ihnen bewusst sei. Zum Beweis spielt er beispielsweise Beethovens Fünfte und Bachs „Toccata und Fuge“ an und fügt seine rhetorische Frage hinzu. „Na, wer hat das nicht erkannt?“
Sein im Herbst 2015 veröffentlichtes grandioses Chartbreaker-Album „Explosive“ präsentiert elf dynamitgeladene sowie poetische Eigenkompositionen: Beim Konzert wartet der Geigen-Visionär beispielsweise mit den fetzigen, hammermäßigen Titeln „Explosive“ und „Furious“ auf.
Berauschend ist die Prince-Hommage mit „Purple Rain“, der Hit jagt wohlig warme Schauer über die Rücken der Zuschauer. Die Halle ist in violettes Licht getaucht und David Garrett fährt auf einer Hebebühne nach oben. Einige Male läuft der Charismatiker auch durch die Sitzreihen. Egal an welcher Stelle in der Menge sein blonder Schopf auftaucht, stehen die Fans sofort auf, klatschen und fotografieren ihn. Nahe der Bühne bleibt er vor einem Mädchen stehen, schnappt sich ihr Handy, hält seinen Kopf neben ihren und macht ein Selfie.
Oft werde er in Interviews gefragt, welches sein Lieblingstitel auf seiner aktuellen CD sei. Seine Antwort: „Herzblut und Liebe“ durchwirken jedes Stück. Doch seine Mama hat einen bestimmten Favoriten: „Midnight Waltz“, ein ins Herz und in die Tanzbeine fahrendes Stück. Der gebürtige Aachener spielt es für seine Mutter, die in der Olympiahalle sitzt. Die Nummer „Marathon“ hat seine Schwester Elena, die Songschreiberin, ihm anvertraut. Der 36-Jährige schrieb es ein wenig um, arrangierte es neu und stellt es nun vor. 
Wenn er „schlecht drauf“ sei denke er an seine Fans, sie geben ihm die Motivation für seinen Job, verrät er den Zuschauern: „Ihr seid meine Inspiration“, verkündet der Spitzengeiger, spielt „You're The Inspiration“ und fügt hinzu: „Das ist jedem hier gewidmet.“
Aleksandra Majzlic  


 


Juedisches Museum

BERICHT
AUSSTELLUNG



 

Medaillenregen und Pokalsegen

 


Die Ausstellung „Never Walk Alone. Jüdische Identitäten im Sport“ im Jüdischen Museum München rückt einzelne Biografien in den Fokus. Und die Besucher erfahren, wer im Alter von 93 Jahren Fechter in München unterrichtet. 

Umtriebig ist er, unermüdlich, agil – das hebt Hans-Georg Küppers lobend hervor, als er bei seiner Rede zur Ausstellungseröffnung David Dushman dem Publikum präsentiert. Der Gepriesene lässt sich das gerne gefallen, muss aber dennoch widersprechen: Denn Münchens Kulturreferent macht den bejahrten Sportler noch älter als er ohnehin schon ist – schließlich zählt er noch keine 94 Lenze, sondern erst stolze 93.  1951 wurde der gebürtige Russe sowjetischer Fechtmeister, trainierte mehr als dreißig Jahre lang die sowjetische Fecht-Nationalmannschaft. Auch heute gibt der rüstige Coach in der Münchner Fechthalle Lektionen – mit Leidenschaft, wie in dem Film im Jüdischen Museum zu sehen ist.
Wie äußerst elegant Helene Mayer das Florett führte, zeigt ein Werbeplakat für eine Veranstaltung mit der Weltmeisterin in Dresden 1930 (Foto). In der rassistischen Zuschreibung der Nazis galt sie als „Halbjüdin“, obwohl sie weder nach dem jüdischen Religionsgesetz noch in ihrer Selbstwahrnehmung Jüdin war. Bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin gewann Helene Mayer die Silbermedaille für Deutschland. Danach war Sarah Poewe die erste Sportlerin jüdischer Herkunft, die für Deutschland eine olympische Medaille einheimste. Die in Kapstadt geborene Schwimmerin holte 2004 in Athen zusammen mit drei Mitstreiterinnen Bronze über 4 mal 100 Meter-Lagen. Ihre Schwimmkappe ist in einer Vitrine ausgestellt.
Mit erstmals gezeigten Erinnerungsstücken aus privaten Sammlungen, Fanartikeln und Medien mit persönlichen Sportkommentaren thematisiert die eindrucksvolle Schau unter anderem die Anfänge der Sportbegeisterung Mitte des 19. Jahrhunderts sowie Ausgrenzung und Verfolgung während der NS-Zeit. Zudem präsentiert sie jüdische Überlebende auf den Spielfeldern in den Displaced-Person Camps im Nachkriegsdeutschland und informiert über athletische Leistungen der letzten Jahre. Vergilbte Mannschaftsbilder kleben in diversen ausgestellten Fotoalben – passend zu dem Titel der Ausstellung „Never Walk Alone“, inspiriert von dem Lied „You'll Never Walk Alone“ des Musicals Carousel.
Auf einem Foto zu sehen ist der Läufer Ernst Emanuel Simon in Berlin um 1919. Den Berliner Sport Club hatte der gebürtige Berliner zuvor verlassen – nach antisemitischen Erfahrungen im Ersten Weltkrieg. Simon feierte unter anderem 1921 als Bayerischer Meister im 800-Meter-Lauf Erfolge. Und in seiner neuen Heimat Palästina war er Mitorganisator der Ersten Makkabiade 1932, der größten jüdischen Sportveranstaltung, die alle vier Jahre in Israel stattfindet. A.M.

Bis 7. Januar 2018 im Jüdischen Museum München, St.-Jakobs-Platz 16; Dienstag bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr. 

 

 

 

 

 

Weisse Reise

BERICHT
AUSSTELLUNG






„Leistet passiven Widerstand!“


Die Flugblatt-Aktionen der Widerstandsgruppe Die Weiße Rose flogen 1943 im Lichthof der Ludwig-Maximilians-Universität München auf. Am authentischen Ort befindet sich seit zwanzig Jahren die DenkStätte Weiße Rose. Nun würdigt die neue Dauerausstellung „Die Weiße Rose. Widerstand gegen die NS-Diktatur“ das Wirken der von den Nazis ermordeten Mitglieder  – in deutscher und englischer Sprache und mit interaktiven Medienstationen.    

Im Hitler-Staat schwammen sie gegen den Strom. Sie begehrten auf gegen den Mord an den Juden, gegen die Lethargie und den Stumpfsinn in der Gesellschaft. Zur Widerstandsgruppe Die Weiße Rose zählten die Studenten Sophie und Hans Scholl, Christoph Probst, Alexander Schmorell und Willi Graf sowie ihr Mentor Professor Kurt Huber.
Als Waffen in ihrem friedlichen Kampf gegen das Verbrecherregime dienten ihnen ihre geschliffenen Worte. 1942 und 1943 verfassten, vervielfältigten und verteilten diese mutigen Menschen Flugblätter. Darin prangerten sie unter anderem an, „dass seit der Eroberung Polens 300.000 Juden in diesem Land auf bestialischste Art ermordet worden sind“. Die Andersdenkenden forderten: „Leistet passiven Widerstand!“ Und sie verkündeten: „Es geht um wahre Wissenschaft und Geistesfreiheit“.
Die nun eingerichtete Dauerausstellung entspricht dem neuesten Forschungsstand. Unter anderem stand dem Team Prof. Dr. Hans Günter Hockerts beratend zur Seite, der ehemalige Inhaber des Lehrstuhls für Neueste Geschichte und Zeitgeschichte in München. Die Besucher sehen in dem hellen Raum beispielsweise die Schreibmaschine, auf der das sechste Flugblatt in Berlin abgetippt wurde. Die Ausweitung der oppositionellen Münchner Aktionen in andere Städte thematisiert die Schau ebenso wie die Wirkungsgeschichte im In- und Ausland. Zeitzeugen kommen in Filmen und Hörstationen zu Wort. Und ein Film zeigt eine nachgestellte Produktion von Flugblättern der Weißen Rose. Ein Drittel der Besucher der 1997 eröffneten DenkStätte kommen aus dem Ausland, deshalb informieren neben deutschen nun auch englische Texte über die Weiße Rose.
„Wir wollen nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch Empathie für die damals Handelnden wecken“, erläuterte Hildegard Kronawitter, Vorsitzende der 1987 gegründeten Weiße Rose Stiftung beim Presserundgang. „Der Besucher soll auch selbst Antworten suchen – auf Fragen wie: Wie hätte man selbst gehandelt in so einer Situation?“
Für Menschenwürde, Gerechtigkeit und Freiheit stritten die Regimekritiker. „Das sind Begriffe, die heute wichtiger denn je für uns alle sind“, sagte Münchens Kulturreferent Hans-Georg Küppers zu den Journalisten: „Mut war damals gefordert und ist heute gefordert. Denn unsere Demokratie muss tagtäglich gesichert werden.“
Die Schau mit einem Fenster zum Lichthof öffnete am 18. Februar 2017 ihre Türen – auf den Tag genau 74 Jahre nach der Verhaftung der Geschwister Scholl; Sophie und Hans waren beim Auslegen des sechsten Flugblattes im Lichthof ihrer Uni ertappt worden. Damit begann die Zerschlagung der  Widerstandsgruppe. Die Folge für die Mitglieder und Mitstreiter: sieben Todesurteile, vollzogen mit dem Fallbeil und zum Teil lange Haftstrafen für mehr als 30 Beteiligte. 
Von Alexander Schmorells Schicksal erfuhr sein Neffe Markus Schmorell von den Großeltern, damals war er vier oder fünf Jahre alt, berichtete er beim Pressetermin. Auf dem Gymnasium wurde er immer wieder auf seinen Onkel angesprochen. „Das war mir aber eher peinlich“, erinnert sich der 65-Jährige.
„Du bist doch der Sohn von dem Geköpften“, das musste sich Wolfgang Huber einst von seinem Banknachbarn in der Schule anhören. Seit mehr als zwanzig Jahren beschäftigt sich der heute 78-Jährige intensiv mit dem Leben seines Vaters Professor Kurt Huber. Und mit Sorge blickt er auf die aktuellen rechtsradikalen Auswüchse.
Vier Jahre alt war er, als sein Vater hingerichtet wurde. An die Beerdigung habe er noch eine „vage Erinnerung“, wie er beim Presserundgang sagte. So gut wie nichts über das Wirken des Vaters erfuhr er von seiner Mutter. Als er an der Münchner Uni studierte, erzählte er seinen Kommilitonen nichts von seinem Vater, der an diesen Ort einst unterrichtet hatte. Aber stolz lief er schon damals über den Professor-Huber-Platz an der Münchner Uni. Aleksandra Majzlic

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 10 bis 17 Uhr, Samstag 11.30 bis 16.30 Uhr, Eintritt frei.

Näheres zu Führungen etc. unter www.weisse-rose-stiftung.de.

 

 

 

 

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Status Quo

BERICHT
KONZERT




Die Wirkungskraft der drei Akkorde 





Von Aleksandra Majzlic


Bei ihrer letzten elektrisch verstärkten Live-Tour 2016 rasen die Rebellen von Status Quo auf ihrem mit Hits gepflasterten Parcours durch die Münchner Olympiahalle. Für Herzrasen sorgt die Band bei ihren Fans. Und Gründungsmitglied Francis Rossi kümmert sich um seine Kinder auf der Bühne. 


Im zweiten Teil lesen Sie, warum Francis Rossi sich eine neue Gitarre zulegte, worüber er am meisten lachen kann und zu welchen Jugenderinnerungen die Band die Fans animiert. >>>

 

 

 

 

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Bille August

INTERVIEW mit Bille August

 

 



„Das Leben ist fast ein Wunder“


Ob er Angst vor dem Sterben hat und an ein Weiterleben nach dem Tod glaubt und welchen Schmerz ihm einst sein Vater zufügte, das erzählt der angesehene Regisseur („Silent Heart – Mein Leben gehört mir“) im Gespräch.

 

Interview: Aleksandra Majzlic

 

Im zweiten Teil erfahren Sie, inwiefern Bille August ein „reicher Mann“ ist, welche Belohnung er sich nach der Arbeit am Set wünscht und welche Filme er sich privat niemals anschaut. >>>

 

 

 

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Katrin Sass

INTERVIEW mit Katrin Sass





„Ich habe keine Angst,
in Fettnäpfchen zu treten“


Warum sie in der DDR von adidas-Klamotten lieber die Finger ließ, wie sie nun in die „Schublade von Klaus Kinski“ geriet und worauf sie am Set keine Lust mehr hat, das verrät die mehrfach ausgezeichnete Schauspielerin („Good Bye Lenin!, „Weissensee“) im Gespräch.

 Interview: Aleksandra Majzlic 

 

Im zweiten Teil erfahren Sie, wozu Katrin Sass 1989 der Mut fehlte, was sie heute „gruselig“ findet und was nach ihrem Ausraster in der TV-Sendung von Markus Lanz passierte. >>>

Foto: dritte „Weissensee“-Staffel (ausgestrahlt im Herbst 2015)



 

 

Katrin Sass

BERICHT
KONZERT



„Ich war ein Kind der DDR“


Beim Konzert in der Berliner Bar jeder Vernunft präsentiert Katrin Sass Lieder aus der TV-Serie „Weissensee“ sowie von Karat, Holger Biege und Reinhard Mey. Zudem lobt die Schauspielerin Peter Maffays gesamtdeutsches Engagement, nimmt die einstigen „guten Freunde in der Volksarmee“ auf die Schippe und plaudert mit den Fans.

Eine Minute lang singt sie sanft von zwei Liebenden – dann hält Katrin Sass plötzlich inne, mitten im „Weissensee“-Lied „In dem Cafe“. Denn sie kann erst weitersingen, wenn sie vorher eine Erläuterung einschiebt, davon ist sie überzeugt. Also: Zu DDR-Zeiten war das Cafe im Fernsehturm am Alexanderplatz ein Treffpunkt für (verliebte) Ostler und Westler.
Lachend erinnert sich Katrin Sass an Walter Ulbrichts Blamage im Zusammenhang mit dem Fernsehturm. Als der stolze Bau anno 1969 fertig war, traute der SED-Chef seinen Augen nicht. Bei Sonnenschein bildet sich auf der Turmkugel nämlich ein leuchtendes Kreuz. Damals mutete diese Reflexion an wie eine wahrhaft glänzende Verhohnepipelung der staatlichen Kirchenfeindlichkeit. Hinzu kam der gegen den „Spitzbart“ und Genossen gerichtete Spott der Lästermäuler: „Rache des Papstes“. Die gebürtige Schwerinerin erzählt davon genüsslich. Und einige Zuschauer geben auch noch ihren Senf dazu.
Katrin Sass ist eine grandiose Sängerin – das beweist sie eindrucksvoll. Und sie setzt auch auf den Dialog mit dem Publikum. Gerade diese Kombination macht die hohe Qualität ihres Auftritts aus. Jedes Lachen in der Menge registriert sie, auf jeden Zuruf reagiert sie. Die Fans in der ersten Reihe sitzen direkt an der Bühne. Blicken auf zu der edel in Schwarz-Weiß gekleideten Künstlerin. Die Temperamentvolle fragt ihre Bewunderer, in welchem Berliner Kiez sie wohnen, interessiert sich für das Sternzeichen, überprüft, ob noch Russischkenntnisse aus DDR-Schulzeiten vorhanden sind. Einige Vokabeln aus dem Russischunterricht hat sie selbst noch im Kopf gespeichert und sagt sie nun fleißig auf. 
Dann kündigt sie ein „gesamtdeutsches Lied“ an. „Welches meine ich wohl?“ fragt sie in die Runde. Die Zuschauer grübeln. Dann rufen einige: „Über sieben Brücken“. Die Berlinerin nickt zufrieden und lobt Peter Maffay. Schließlich habe er das Lied der DDR-Gruppe Karat in den Westen „rübergeschleppt“.
In der Berliner Bar mit hohem Wohlfühlfaktor bestritt Katrin Sass im Juni und Juli 2015 neun Liederabende mit dem Titel „Königskinder“  –  zehn Jahre nach ihrem dortigen Debüt mit dem Schlagerabend „Fahrt ins Blaue“. In den vergangenen Jahren trat die Charismatische immer wieder auf Konzertbühnen auf. 2013 veröffentlichte sie ihr erstes Album „Königskinder“ –  unter anderem mit Liedern der mehrfach preisgekrönten TV-Serie „Weissensee“. Eindrücklich, empathisch sowie emotional anrührend agiert Katrin Sass darin als Sängerin Dunja Hausmann zu DDR-Zeiten.
Wie einst am Set singt sie nun auch in der Bar von Unterdrückung und Freiheitsdrang im einstigen Unrechtsstaat. Ganz besonders schön klingt ihre eindringliche und unverwechselbare Stimme bei den Liedern „In dem Cafe“, „Was rettet die Welt“ oder bei der Volksballade „Königskinder“ –  mit veränderten Zeilen, so heißt es beispielsweise „die Mauer war viel zu hoch“ statt „das Wasser war viel zu tief“. Als Katrin Sass berichtet, dass auch noch eine vierte „Weissensee“-Staffel gedreht wird, brandet Applaus auf.
Eine Hommage an den aus der DDR stammenden Komponisten Holger Biege ist ihr „Reichtum der Welt“. Der Text sei „heute aktueller denn je“ lässt die Nachdenkliche die Zuschauer wissen: „Das Land und auch die Ozeane können sich nicht wehren. Ihre Schätze sollen Späteren auch so wie uns gehören“.
Wonneschauer jagen über den Rücken so manchen Zuschauers als sie „Ich wollte wie Orpheus singen“ und „Über den Wolken“ von Reinhard Mey präsentiert. Enthusiastische Musiker begleiten sie: der Pianist Henning Schmiedt sowie die Cellistin Ulrike Röseberg. Sie ist auch Schauspielerin und stand mit Katrin Sass für die TV-Knastserie „Block B“ vor der Kamera. 
Im Zugabeteil tanzt Katrin Sass flott über die Bühne, verkündet „Ich war ein Kind der DDR“ und  schmettert „Wir haben den Farbfilm vergessen“ ins Mikro. Dann nimmt sie die stramme Haltung eines folgsamen Pioniers an und singt mit Inbrunst: „Soldaten sind vorbeimarschiert. Im gleichen Schritt und Tritt. Wir Pioniere kennen sie. Und laufen fröhlich mit. Gute Freunde, gute Freunde, gute Freunde in der Volksarmee.“ Mit niedlichem Gesichtsausdruck ein braves Mädel imitierend, will sie schließlich das Publikum mit dem „Sandmann, lieber Sandmann“-Schlaflied in die brüllend heiße Berliner Juli-Nacht entlassen. Doch müde macht sie damit die jubelnden Zuschauer keineswegs. Im Foyer versammeln sie sich nach dem Konzert. Sie plaudern mit Katrin Sass, lassen die „Königskinder“-CD signieren, schreiben ellenlange Texte in das Gästebuch der Bar und loben den Auftritt beispielsweise als „supermegaspitzenklasse“. Aleksandra Majzlic